Religion, ein faktischer Anfang

von Yvonne Widler / 21.01.2015

„Ohne Götter keine Religion“, sagt der österreichische Philosoph Konrad Paul Liessmann. Die Götter, an die Menschen glauben, können ganz unterschiedlich aussehen. Heiter wie die des Olymp oder stark wie Allah.

Doch dieser Aspekt scheint heute weniger von Bedeutung als die Frage nach dem Warum. Warum glauben Menschen an etwas und welche Bedeutung haben Religionen für sie? „Sie sind die einzige Möglichkeit, sich dem Problem der Endlichkeit nicht stellen zu müssen“, antwortet Liessmann, ohne eine Sekunde zu überlegen.

Sehen wir uns doch die in Österreich lebenden Menschen im Hinblick auf ihren Glauben etwas genauer an. Das ist übrigens gar nicht so einfach. Das Merkmal der Religionszugehörigkeit wurde von der Statistik Austria zuletzt bei der Volkszählung 2001 über „Selbstauskunft“ erhoben. Die „Nachfolgerin“ der Volkszählung, die Registerzählung 2011, wurde auf Basis von Verwaltungsregisterdaten durchgeführt, aus denen dieses Merkmal nämlich nicht hervorgeht.

Bei der Volkszählung 1991 haben sich bei einer österreichischen Gesamtbevölkerung von 7.795.786 Menschen 6.081.454 als römisch-katholisch bezeichnet. 672.251 waren ohne Bekenntnis und 158.776 islamisch.

Zehn Jahre später sehen die Zahlen so aus: 5.915.421 römisch-katholisch, 963.263 ohne Bekenntnis und 338.988 Menschen sind islamisch.

Die Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen hat im Jahr 2013 noch einmal nachgefragt, da aktuelle Größenordnungen meist nur geschätzt werden. Demnach lag die Zahl der Katholiken bei rund 5,36 Millionen Menschen. Dann folgten die Muslime, sie zählten zwischen 500.000 und 600.000 Menschen, und die Orthodoxen mit 500.000. Die Evangelischen Kirchen gaben rund 300.000 Mitglieder für Österreich an.

Ein Projektteam des Demografie-Instituts an der österreichischen Akademie der Wissenschaften hat für das Jahr 2011 die DatenDas Datenraster der Religionszugehörigkeit basiert auf den Klassifikationen der Statistik Austria. In der Gruppe „Protestanten“ sind Mitglieder der evangelisch-lutheranischen Kirche und der evangelischen Kirche Helvetischen Bekenntnisses zusammengefasst. Im Punkt „Andere“ sind hauptsächlich Serbisch-Orthodoxe subsumiert. speziell für Wien nachgerechnet und sehr anschaulich aufbereitet.

Für weitere Informationen geht es hier zum Handbuch der Religionen in Österreich, von unserer Seite war es das erst mal zu diesen Fakten.

Was wollen wir nun wissen oder glauben?

Im Hinblick auf aktuelle Geschehnisse stellen wir uns hier also die Fragen, was Religion eigentlich ist und welche Rolle ihr zukommt oder zukommen sollte. Eine weitere der großen Fragen ist sicherlich die nach dem Verhältnis der Religionen. Einerseits das Verhältnis der Religionen untereinander, andererseits das Verhältnis einer säkularen Gesellschaft zu religiösen Ansprüchen. Das Verhältnis von nicht religiösen Menschen zu religiösen, egal um welchen Glauben es konkret geht.

Für den Philosophen David Hume (1711–1776) beispielsweise lag Wahrheit nur in unmittelbaren Sinneseindrücken. Von empirisch Belegbarem auf Transzendentes zu schließen sei demnach unzulässig. Religiöse Wahrheit kann seiner Meinung nach nur geglaubt, nie gewusst werden.

Während sich die großen Denker früher mit Gottesbeweisen und ihrer Vereinbarkeit mit dem Vernunftgedanken beschäftigt haben, präsentiert sich die neuere Religionsphilosophie weitaus religionskritischer, aber das muss sie auch. Einer, der es anders macht, ist der deutsche Philosoph Volker GerhardtProfessor an der Berliner Humboldt-Universität und einer der bekanntesten deutschsprachigen Philosophen der Gegenwart.. Ganz aktuell ist sein neues Buch erschienen. Ein Buch über Gott und warum es sinnvoll ist, an ihn zu glauben; es nennt sich Der Sinn des Sinns. Versuch über das Göttliche.