David Paul Morris

Facebook-Algorithmus

Schlechte Nachricht für Medienmacher

von Henning Steier / 30.06.2016

Das größte Social Network gewichtet künftig Beiträge von Familienmitgliedern und Freunden im News Feed höher als Inhalte von Medienhäusern. Manche dürfte das ins Mark treffen.

Facebook hat erneut an seinem Algorithmus geschraubt, der darüber entscheidet, was die 1,7 Milliarden Mitglieder im News Feed sehen. Wie Adam Mosseri, Vice President, Product Management, News Feed, in einem Blogeintrag mitteilte, gewichte man nun Beiträge von Familienmitgliedern und Freunden höher. Wenn man zum Beispiel oft Fotos der eigenen Schwester geliked hat, werden diese künftig weiter oben im Nachrichtenstrom präsentiert.

Wie Facebook einräumte, dürfte die Änderung zu weniger Traffic auf Newssites führen, die viele ihrer Besucher mit Beiträgen ihrer Facebook Page erreichen. Naturgemäß dürften Seitenbetreiber mit geringeren Trafficverlusten zu kämpfen haben, deren Inhalte in erster Linie von Mitgliedern des Social Networks geteilt werden. Zur Erinnerung: Facebook ist kein Inhalteanbieter. Das Netzwerk will Nutzer möglichst lange in seinem Garten halten, um ihnen möglichst viel Werbung präsentieren zu können. Offenbar haben weniger Mitglieder als gedacht mit Inhalten klassischer Medien interagiert, so dass diese nun heruntergestuft werden.

Für Live Videos bezahlt

Auch die Instant Articles, also Inhalte, die Medienhäuser und sonstige Unternehmen in Gänze auf Facebook veröffentlichen, dürften von den Veränderungen am Algorithmus betroffen sein. Das gilt ebenso für Live Videos. Kürzlich wurde bekannt, dass Facebook allein in den USA bisher rund 50 Millionen Dollar an Medienunternehmen wie die New York Times und Buzzfeed gezahlt hat, damit diese Echtzeit-Clips im Netzwerk veröffentlichen. Aus Deutschland stehen unter anderem Die Welt und Bild auf der Payroll. Wie viel Geld an die Springer-Titel floss, sickerte bisher nicht durch. Aus der Schweiz wurden bisher keine vergleichbaren Fälle bekannt.

Facebook ist als Trafficbringer eine Macht, weswegen sich viele Medienunternehmen in seine Arme begeben haben. So zeigt beispielsweise eine Studie des Pew Research Center, dass 44 Prozent der US-Nutzer regelmäßig News auf Facebook konsumieren. Laut dem Analysedienst Parse.ly stammen im Durchschnitt 40 Prozent des Referral Traffics einer Nachrichtenseite von Facebook.

Erinnerungen an Zynga

Man erinnere sich: Auch der Browsergameanbieter Zynga war einst eine Macht, bis Facebook Veränderungen am Algorithmus vornahm, die Zynga-Inhalte im News Feed weiter unten platzierten. Das aktuelle Schrauben am News Feed ist also eine weitere Erinnerung daran, dass Medienhäuser sich nicht allzu abhängig von fremden Plattformen machen sollen, wenngleich Facebook seit den Zynga-Zeiten natürlich noch weitaus größer geworden ist. Randnotiz: Wenn man als Medienhaus beispielsweise 50 Dollar in die Hand nimmt, kann man einen Beitrag prominent im News Feed tausender Fans auftauchen lassen. Dieses Angebot dürften in Zukunft mehr Medienhäuser nutzen und Facebook damit weitere Einnahmen bescheren.