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Der Körper der Kandidaten

Sind Clinton und Trump fit genug?

von Andrea Köhler / 02.09.2016

Donald Trump hat penible Fragen betreffend Hillary Clintons Gesundheitszustand in Umlauf gebracht. Das Zeugnis, das ihm sein eigener Arzt ausstellt, ist jedoch auch nicht über jeden Verdacht erhaben.

Donald Trump, über dessen Manneskraft wir von ihm selbst ausführlich ins Bild gesetzt worden sind, hat in der Sauregurkenzeit neue Gerüchte gestreut: Seine Gegnerin Hillary Clinton sei zu schwach, um es mit dem IS aufzunehmen, und physisch nicht fit für das Präsidentenamt.

Um dieser Behauptung mit einem Kraftakt entgegenzutreten, hat die demokratische Präsidentschaftskandidatin in Jimmy Kimmels Late-Night-Show mit Schmackes ein ihr überreichtes Gurkenglas aufgeschraubt. Doch weil der Deckel des Glases nicht hörbar poppte, wird jetzt um die Wette getwittert, das Gurkenglas sei schon vorher offen gewesen. Hillary Clinton hat uns also wieder einmal hinters Licht geführt.

Konspirationstheorie

Wer trotzdem nicht glaubt, dass mit Clintons Gesundheit etwas im Argen liegt, konsultiere Google. Dort findet man nicht nur die Gurkenglas-Szene, sondern auch allerlei Videos, Artikel und Tweets, die Clintons körperliche Verfassung infrage stellen. Der heisse Tipp stammt von Rudy Giuliani, ehemaliger Bürgermeister von New York und heute Berater von Donald Trump, der den Wählern auf Fox News empfahl, doch einmal die Stichworte „Clinton“ und „Krankheit“ in die Suchmaschine zu füttern, damit sie mit eigenen Augen sähen, wie müde und krank „The Donalds“ Rivalin in Wirklichkeit sei.

Folgt man dem Rat und gibt bei Google Clintons Namen und „illness“ ein, stösst man freilich auch auf jede Menge Berichte, die die Unhaltbarkeit der medizinischen Konspirationstheorie belegen; Clintons Ärztin bezeichnete die im Netz aufgetauchten, angeblich von ihr stammenden Dokumente über den angegriffenen Gesundheitszustand der Kandidatin als pure Fabrikation. Laut den gefälschten Krankenakten soll Clinton seit einer im Jahr 2012 erlittenen Gehirnerschütterung nicht nur unter epileptischen Anfällen leiden, sondern auch unter „fortschreitender Demenz“ – eine Behauptung, welche die Frage aufwirft, wie es um Donald Trumps Geistesverfassung steht.

Mit Ihnen, Herr Trump, kann ich's noch lange aufnehmen - so mag seine Konkurrentin Hillary Clinton denken. (Bild: ap)

Die demokratische Abgeordnete Karen Bass hat Anfang des Monats unter dem Hashtag „Diagnose Trump“ eine Petition gestartet, in der sie fordert, den mentalen Zustand des republikanischen Kandidaten einer professionellen Evaluation zu unterziehen. Dass Trump die geläufige Vorstellung von mentaler Gesundheit zu strapazieren pflegt, hat er ja munter bewiesen. Wie aber ist es um die physische Fitness des bisher ältesten Anwärters um die amerikanische Präsidentschaft bestellt?

„Erstaunlich exzellent“

Ebenso wie die Offenlegung der Steuererklärung ist die Auskunft über den Gesundheitszustand der Präsidentschaftsanwärter gemeinhin Bestandteil der Kandidatenkür; bei beidem haben Trump und Clinton bisher wenig Auskunftsfreude gezeigt. Clinton gab im Juli 2015 lediglich einen Brief ihrer Ärztin an die Öffentlichkeit, der ihr eine „exzellente Gesundheit“ bescheinigte; Trump hat im letzten Dezember ein kurzes Statement seines Gastroenterologen beigesteuert, das den Laborergebnissen des Kandidaten das Prädikat „erstaunlich exzellent“ verleiht.

Die Untersuchung seines Patienten, so der New Yorker Arzt, habe „nur positive Befunde“ erbracht; eine Wortwahl, die in der medizinischen Terminologie gemeinhin die Bestätigung eines Krankheitsverdachts signalisiert. Und auch die Feststellung, „dass kein Präsident der Vereinigten Staaten je in einer solchen Topform gewesen ist wie Donald Trump“, weist den Mann weniger als eine Kapazität denn als Adepten der Trumpschen Überbietungsrhetorik aus, dessen diagnostische Präzision es mit Kimmels Gurkenglas-Test aufnehmen kann.