Zeichnung: Peter Strasser

Morgengrauen

Sorry, I am the second last one

Gastkommentar / von Peter Strasser / 02.07.2016

Vor einigen Tagen schon habe ich eine Einladung erhalten, bei einer mehrbändigen anthology mitzuschreiben, contributer zu sein mit einem paper (peer-reviewed, versteht sich), unter Federführung eines hochkarätigen editorial board, na schön. Die Herausgeber sind deutsche Universitätsprofessoren, der Verlag ist ein deutscher Universitätsverlag, die Sprache der Beiträge ist verpflichtend Englisch. Es geht darum, bei möglichst hohem Niveau einen möglichst großen facheinschlägig interessierten Leserkreis zu erreichen.

Ich wollte bereits zusagen. Heute Nacht jedoch ertappte ich mich selbst dabei, wie ich auf Englisch träumte. In Erinnerung blieb mir eine Traumwortphrase, und zwar, vermutlich als Nachklang des gestrigen Nachtfilms mit Helen Hunt und Jack Nicholson: As good as it gets.

Also alles was recht ist, englische Träume, das geht zu weit! Der Film ist toll, „besser geht’s nicht“, trotzdem werde ich kein paper abliefern. Jüngst erst schrieb Botho Strauß zum wiederholten Mal, er sei „der letzte Deutsche“. Dafür wurde er von den Feuilletondeutschen gleich niedergemacht. Heute Morgen erlaube ich mir nun den kleinen Größenwahn, der zweite Letzte sein zu wollen, ungeachtet der Tatsache, dass, wenn überhaupt, ich nur der zweitletzte Österreicher sein könnte.

Mit dieser schnoddrig-enigmatischen Begründung – Sorry, I am the second last one – sage ich meine Teilnahme ab. Ein sprachprovinzieller Tag liegt vor mir, durch und durch österreichisch, und dabei fühle mich echt weltmännisch.

 

Peter Strasser ist Professor für Rechtsphilosophie in Graz. Wie die meisten von uns steht er jeden Morgen auf. Anders als die meisten von uns schreibt er im und beschreibt er das Morgengrauen. Bücher schreibt er auch. Zwei neue erschienen dieser Tage: „Achtung Achtsamkeit!“ (Braumüller Verlag) sowie „Von Göttern und Zombies: Die Sehnsucht nach Lebendigkeit“ (Wilhelm Fink Verlag).