Keystone

Randnotiz

Super Mario trifft Beethoven

von Leopold Stefan / 04.11.2015

Der Erfolg von Videospielen hängt oft mit deren musikalischen Untermalung zusammen. Die Popularität eingängiger Melodien und die hohen Ansprüche moderner Spielentwickler haben eine unerwartete Brücke zur klassischen Musik geschlagen. So füllen heute neben Beethoven-Symphonien auch die Leitmotive, zu denen Super Mario durch die virtuelle Pixelwelt hüpft, internationale Konzertsäle.

Wer die neuesten Popsongs oder Schlager bevorzugt, wird sich selten eine Aufnahme des London Symphony Orchestra anhören. Unbewusst haben viele dennoch stundenlang dem renommiertesten klassischen Orchester Englands gelauscht: Das britische Ensemble spielte nämlich die Musik für das populären Puzzle-Spiel Candy Crush Soda Saga ein. Die Hintergrundmelodie läuft in siebenminütiger Dauerschleife, während Spieler ein Feld digitaler Süßigkeiten umsortieren und reihenweise eliminieren. Insgesamt 65 Musiker, vom Harfenisten bis zum Streicher, haben in den Londoner Road Studios, wo bereits die Beatles aufnahmen, das Cand-Crush-Thema und Variationen dazu eingespielt. Dirigent Christoffer Nobin äußerte seine Begeisterung über die Zusammenarbeit mit dem Spielentwickler: Die Musik biete eine emotionale Tiefe zu dem, was man macht.

Auch die 8-Bit-Melodien aus Videospielen der achtziger Jahre wurden später orchestral vertont und live aufgeführt. Aus den Leitmotiven, die in schrillen Tönen und Knarz-Effekten aus den frühen Spielkonsolen drangen, sind dank zunehmender technologischer Möglichkeiten komplexe Kompositionen geworden. Außerhalb Japans hat zum Beispiel die Reihe der Symphonischen Spielemusikkonzerte des WDR Rundfunkorchesters hohe Popularität erlangt. Nostalgische Fans der Nintendo-Konsolenspiele füllten 2010 die Kölner Philharmonie, um ihre Lieblingsstücke live zu hören. Vielleicht überzeugt ein Mitschnitt des Konzerts auch Klassikliebhaber von der Qualität modernerer Videospielmusik: