Träger von Erbkrankheit sagen Ja zu PID

von Stefan Bühler / 28.05.2015

Am 14. Juni stimmt die Schweiz über die Einführung der Präimplantationsdiagnostik ab. Die Organisation der von der Erbkrankheit „Cystische Fibrose“ betroffenen Familien wirbt für ein Ja zur Präimplantationsdiagnostik. (yw)

Vielleicht braucht es an dieser Stelle eine kurze Begriffserklärung. Als Präimplantationsdiagnostik (PID) werden Untersuchungen bezeichnet, auf deren Basis entschieden wird, ob ein durch In-vitro-Fertilisation, also durch künstliche Befruchtung, produzierter Embryo in die Gebärmutter eingepflanzt werden soll. Diese Methode soll in erster Linie angewendet werden, um genetische Erbkrankheiten zu vermeiden. „Kranke“ Embryonen werden quasi aussortiert, woran sich aber viele Menschen stoßen. In Österreich wurde das Fortpflanzungsmedizingesetz nach einigen Debatten schließlich liberalisiert. Darüber habe ich bereits berichtet, Sie können es hier nachlesen oder mit mir (Yvonne Widler) gerne zum Thema diskutieren.

Nun wird also am 14. Juni bei unseren westlichen Nachbarn abgestimmt, lesen Sie hier mehr zur Debatte in der Schweiz:

Die Schweizerische Gesellschaft für Cystische Fibrose (CFCH) setzt sich für die Bewilligung der Präimplantationsdiagnostik (PID) ein: „Wir sind für die Verfassungsänderung“, sagt Thomas Zurkinden, Geschäftsführer der CFCH. Denn die Vorlage schreibe die PID niemandem vor, schaffe aber die Möglichkeit, „dass Eltern die entsprechende Untersuchung und Behandlung in der Schweiz vornehmen können“. Heute müssten Paare, bei denen beide Träger der Erbkrankheit seien, für Tests ins Ausland reisen, beispielsweise nach Spanien oder Belgien.

Die PID ist im Zusammenhang mit Cystischer Fibrose vor allem für Eltern von Bedeutung, die bereits ein von der Krankheit betroffenes Kind haben. Denn sie wissen, dass sie beide Träger des Gens sind, welches die chronisch fortschreitende, unheilbare Erbkrankheit auslösen kann und an welcher in der Schweiz ungefähr 1.000 Personen leiden. Für solche Paare liegt die Wahrscheinlichkeit, dass weitere Kinder von Cystischer Fibrose betroffen sein werden, bei jeder Schwangerschaft bei 25 Prozent. Ist nur ein Elternteil Träger der entsprechenden Genmutation, tritt die Krankheit, die unter anderem zu einer zähflüssigen Verschleimung der Lunge führt, nicht auf.

Zurkinden betont, dass Paare mit einem von Cystischer Fibrose betroffenen Kind zurzeit unterschiedlich mit der Thematik umgehen: „Manche bekommen ein zweites Kind und nehmen das Risiko in Kauf, dass dieses ebenfalls betroffen sein kann. Oder sie brechen die Schwangerschaft nach einer Untersuchung, die Cystische Fibrose aufgezeigt hat, ab.“ Andere Paare ließen wie erwähnt schon vor der Schwangerschaft eine Untersuchung vornehmen, so Zurkinden, im Ausland, „wo PID bereits möglich ist“.

Dass die Verfassungsänderung diese Wahlfreiheit in Zukunft auch innerhalb der Schweiz erlauben soll, sei der maßgebliche Grund für das Ja der CFCH zur Vorlage. Zudem, so sagt Zurkinden, sei die Bestimmung eng gefasst: PID soll nur für Paare, die Träger von schweren Erbkrankheiten sind, und für Paare, die auf natürlichem Weg keine Kinder bekommen können, möglich werden. „Es geht also nicht um Design-Babys.“

Lesen Sie hier mehr zum Thema: Warum Pränataldiagnostik unentbehrlich ist.