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Klimagipfel

Von der Erkenntnis zur Klimapolitik

von Markus Hofmann / 01.12.2015

Dem Zusammenhang zwischen Treibhausgasen und Klima sind Forscher seit dem 19. Jahrhundert auf der Spur. Politische Relevanz gewannen die Erkenntnisse aber erst vor rund 40 Jahren. NZZ-Redakteur Markus Hofmann über die Weltklimakonferenz.

Die Geschichte der Klimapolitik beginnt vor fast 200 Jahren. Denn darüber, dass Treibhausgase einen Einfluss auf das Klima haben können, wird seit dem frühen 19. Jahrhundert diskutiert. 1824 macht der französische Mathematiker und Physiker Jean-Baptiste Fourier zum ersten Mal auf den Treibhauseffekt aufmerksam – ohne allerdings diesen heute geläufigen Begriff zu verwenden. Ein paar Jahrzehnte später sind es dann der britische Physiker John Tyndall und der schwedische Physiker und Nobelpreisträger für Chemie, Svante Arrhenius, die das Wissen über die Wirkung von Treibhausgasen vertieften.

Zunächst keine Gefahr gesehen

Dass ein Anstieg von Kohlendioxid zu einer Erwärmung der Atmosphäre führen wird, betrachtet Arrhenius aber als unproblematisch: „Der Anstieg des CO2 wird zukünftigen Menschen erlauben, unter einem wärmeren Himmel zu leben“, schreibt er. Ein paar Jahrzehnte später ändert sich der Tenor. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wird der Anstieg von CO2 in der Erdatmosphäre zum ersten Mal mit der Industrialisierung in Zusammenhang gebracht. Allerdings weist man erst in den 1950er Jahren nach, dass die CO2-Konzentration in der Atmosphäre auch wirklich steigt. Nun machen Wissenschaftler auf die Bedeutung des Klimawandels aufmerksam. Und die Politik reagiert.

1979 ertönt eine erste Warnung von wissenschaftlicher Seite: Die National Academy of Sciences schätzt, dass eine Verdoppelung des CO2-Gehalts zu einer Erwärmung der globalen Temperatur um 1,5 bis 4,5 Grad Celsius führen wird.

Ebenfalls 1979 findet in Genf die erste Weltklimakonferenz für Wissenschaftler statt. Es wird ein heute noch gültiges Weltklimaforschungsprogramm beschlossen.

1988 gründen das Umweltprogramm der UNO und die Weltorganisation für Meteorologie in Genf den Zwischenstaatlichen Sachverständigenausschuss für Klimaänderung, auch Weltklimarat (IPCC) genannt. Er hat die Aufgabe, regelmäßig den Forschungsstand in der Klimawissenschaft zuhanden der Politik aufzubereiten. Der erste Zustandsbericht erscheint 1990, der fünfte, mehrere tausend Seiten starke Report wird in den Jahren 2013 und 2014 publiziert.

Die britische Premierministerin und Chemikerin Margaret Thatcher hält 1989 vor der UNO-Generalversammlung eine viel beachtete Rede zu den mit dem Klimawandel verbundenen Herausforderungen.

Die Staaten der Welt handeln

An der UNO-Konferenz über Umwelt und Entwicklung, dem Erdgipfel von 1992, der in Rio de Janeiro über die Bühne geht, wird die noch heute gültige Klimarahmenkonvention der UNO ins Leben gerufen. Das in ihr verankerte Ziel lautet: „Stabilisierung der Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre auf einem Niveau, auf dem eine gefährliche anthropogene Störung des Klimasystems verhindert wird.“

1995 findet die erste Konferenz der Mitgliedstaaten der Klimarahmenkonvention in Bonn statt. Die „Conference of the Parties“ (COP) wird seither jährlich durchgeführt. Dieses Jahr steht die 21. Konferenz an. Die Staaten nehmen sich 1995 vor, ein Klimaabkommen mit konkreten Zielen und Fristen für eine Emissionsreduktion zu verabschieden.

An der dritten COP in Japan wird 1997 das erste Klimaregime beschlossen, das weltweite Gültigkeit beansprucht: das Zusatzprotokoll zur Klimarahmenkonvention von Kyoto. In Kraft treten wird es aber erst 2005. Im Kyoto-Protokoll werden Reduktionsziele für die Industrieländer, darunter auch die Schweiz, für die Zeit von 2008 bis 2012 festgehalten. Die USA, lange Zeit der größte Emittent von Treibhausgasen, werden es allerdings nie ratifizieren. 2012 beschließen die Staaten an der Klimakonferenz in Doha, das Kyoto-Protokoll bis 2020 weiterzuführen. Doch es beteiligen sich weniger Industriestaaten daran als zuvor.

2001 beschließen die Staaten in Marrakesch die Details des Kyoto-Protokolls. Definiert werden etwa die Berechnungsmethoden, aber auch wichtige Mechanismen wie der bis heute umstrittene Handel mit Klimazertifikaten.

2005 tritt das Kyoto-Protokoll in Kraft. Nun beginnt man sich in Montreal, an der mittlerweile elften UNO-Klimakonferenz, Gedanken über die Zeit nach 2012 zu machen.

In Bali einigt sich die Staatengemeinschaft 2007 auf einen Fahrplan für das weitere Vorgehen nach 2012. Die Arbeiten für ein Nachfolgeabkommen zum Kyoto-Protokoll sollen 2009 abgeschlossen werden.

Doch die 15. Klimakonferenz der UNO 2009 in Kopenhagen scheitert vor den Augen von über 10.000 Delegierten, 13.000 Beobachtern und 3.000 Journalisten. Am Klimagipfel, an dem so viele Staatsoberhäupter zusammenfinden wie nie zuvor, kommt kein Beschluss zustande. In letzter Minute wird ein Copenhagen Accord gezimmert, der lediglich „zur Kenntnis“ genommen wird. Man bekennt sich dazu, die Temperatur nicht um mehr als 2 Grad ansteigen zu lassen. Auch versprechen die Industrieländer, ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar für Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern zu zur Verfügung zu stellen.

Ein Jahr darauf, 2010, beschließen die Staaten in Cancún in Mexiko, die globale Erwärmung auf höchstens 2 Grad zu beschränken. Zudem fallen Entscheidungen zur Anpassung an den Klimawandel. Auch wird der Green Climate Fund gegründet, der einen Teil der versprochenen 100 Milliarden Dollar sicherstellen soll.

2011 wird in Durban in Südafrika vereinbart, bis 2015 ein neues Klimaabkommen auf die Beine zu stellen, das nicht nur die Industrie-, sondern alle Länder zu Klimaschutzmaßnahmen verpflichten soll. Das neue Abkommen soll im Dezember 2015 in Paris verabschiedet werden und 2020 in Kraft treten.