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Bei Katastrophen

Warum Facebook fragt, ob alles okay ist

von Christoph Zotter / 14.11.2015

Die Nachfrage-Funktion wurde nach den Pariser Anschlägen zum ersten Mal in Europa eingesetzt. Eingeführt wurde sie bereits vor einem Jahr.

„Are you OK?“, lautete die Frage. Sie tauchte in der Nacht von Freitag auf Samstag auf hunderttausenden Smartphones auf. Das US-amerikanische Unternehmen Facebook setzte wieder einmal den sogenannten „Safety Check“ ein.


Credits: Screenshot Facebook

Zuvor hatten acht Männer in der französischen Hauptstadt Paris um sich geschossen, mehrere Bomben explodierten. Sie töteten in Bars, dem Konzertsaal Bataclan, vor dem Stade de France. Es sind Ecken, an denen viele Pariser und Touristen schon gewesen sind, es hätte jeden treffen können, der in diesen Stunden aus war. Im größten Stadion des Landes sahen zigtausende ein Fußballspiel.

Bei Facebook entschloss man sich, den „Safety Check“ anzudrehen. Nimmt das Programm an, dass sich jemand in Paris befindet, erhält er eine sogenannte Push-Mitteilung. Man kann wählen, ob man sich sicher fühlt oder gar nicht dort ist. Die Antwort wird an alle Facebook-Freunde verschickt. „In Sicherheit“, steht da.

Gefragt wurden laut Facebook alle, die selbst angegeben hatten, gerade in Paris zu sein, die ein sogenanntes Nearby-Friend-ProduktEin Ortungsdienst von Facebook, der sich auf GPS stützt. benutzen oder die das Internet zuletzt im Pariser Raum genutzt haben. Zusätzlich können besorgte Freunde ihre Freunde auffordern, sich zu melden (hier eine offizielle Erklärung).

Aus der Presseaussendung für „Safety Check“ im Jahr 2014.
Credits: Screenshot Facebook

Entwickelt wurde das Programm nach einem Tsunami in Japan im Jahr 2011. 12,5 Millionen Japaner sollen betroffen gewesen sein, als eine meterhohe Welle über die Küsten der Insel raste und dabei auch das Atomkraftwerk Fukushima überspülte, sagt das Rote Kreuz. 400.000 Menschen mussten evakuiert werden.

Die Techniker von Facebook bemerkten damals, dass viele Menschen über das Internet nach ihren Nächsten suchten. Sie entwickelten zuerst ein „Disaster Message Board“, im Oktober des vergangenen Jahres starteten sie „Safety Check“.

Es war für Naturkatastrophen gedacht, nicht für Terroranschläge. Nach den diesjährigen Erdbeben in Nepal oder Chile fragte Facebook bereits, ob seine Kontobesitzer sicher sind.

Die Idee von Notfall-Apps am Smartphone ist nicht neu. Es gibt Panikknöpfe (sie senden ein GPS-Signal ab), mit anderen Programmen können Alarmmeldungen über verschiedene Social-Media-Plattformen abgeschickt werden. Zunehmend organisieren sich auch professionelle Hilfsorganisationen über Facebook und Co.

Wo die Grenzen liegen, wurde bereits beim ersten großen Test in Nepal klar: Das asiatische Land ist nicht flächendeckend mit Internet ausgestattet. Das ist auch bei Terroranschlägen ein Problem: Die mobilen Netze sind schnell überlastet.