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Was hat die Pickup-Artists bloß so ruiniert?

Meinung / von Wolfgang Rössler / 06.02.2016

Es ist zu einfach, sich über die dumpfen Parolen der Pickup-Artists zu empören. Besser wäre es, den Männern ernsthafte Ratschläge zu geben, wie sie mit Frauen umgehen sollten. Der Bedarf ist vorhanden.

Ein zeitlos guter Ratschlag kommt von Gunter Sachs. Er wurde einmal von einem Reporter nach dem Geheimnis seines Erfolges bei Frauen gefragt. „Ich höre ihnen zu“, sagte der berühmte Lebemann. Er mochte Frauen und sie mochten ihn: Brigitte Bardot ebenso wie Alice Schwarzer. Es könnte alles so einfach sein. Man geht freundlich miteinander um und vielleicht landet man danach einvernehmlich im Bett.

Daryush Valizadeh alias „Roosh V“ ist der Anti-Sachs. Der 37-jährige US-Blogger bezeichnet sich als Pickup-Artist, Aufriss-Künstler. Er will Männern zeigen, wie sie Frauen mit miesen Tricks überrumpeln können. Roosh V empfiehlt zum Beispiel, sie mit Alkohol abzufüllen. Manche seiner Aussagen kann man so deuten, dass er Vergewaltigung gutheißt.

Seine Fans wollen sich am 6. Februar an vielen Orten auf der ganzen Welt unter dem Motto „Make rape legal“ treffen. Eines dieser Happenings war auch in Wien geplant. Ursprünglich hatten sich Valizadehs Pickup-Jünger im Museumsquartier verabredet. Das haben die Verantwortlichen dort untersagt. Nun werden die Männer wohl an einem unbekannten Ort konspirieren. Oder auch gar nicht.

Denn die erwünschte Provokation haben sie bereits im Vorfeld erreicht. Twitter hyperventilierte. Sogar Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek meldete sich zu der „menschenverachtenden Aktion“ zu Wort: „Ich werde Vergewaltigung niemals akzeptieren“, schrieb sie. So viel Aufregung über frustrierte Männer war selten. Höchstwahrscheinlich zu Unrecht.

Man könnte das Thema aber auch nutzen, um nachzufragen, was Typen wie Valizadeh so ruiniert hat. Es gibt von ihm einen alten Blog-Beitrag aus dem Jahr 2011. Darin rechnet er mit dem weiblichen Geschlecht ab. Aus seinem Text spricht weniger Zynismus als Weinerlichkeit. „You did this to me“, heißt es dort an die Adresse einer ungenannten Frau.

You made me emotionally cold. You punished me any time I told you my feelings. You lost interest in me whenever I showed you basic human affection before you gave me affection first. You showed me that the less I concerned myself with your well-being, the more you did what I wanted.

In all seiner Erbärmlichkeit ist dieser Text ein Dokument der Ohnmacht. Er zeigt einen Mann, der sich den Frauen, die ihn anziehen, intellektuell wie emotional unterlegen fühlt. Also greift er zu üblen Tricks.

Sie begehren, was sie fürchten

Damit ist Valizadeh zu einem Idol für viele Männer geworden, die mit den veränderten Rollenbildern von Mann und Frau überfordert sind. Er ist ein prominenter Verfechter des Maskulinismus, einer radikalen Gegenbewegung zum Feminismus, die die alte Ordnung der Geschlechter wiederherstellen möchte: „Frauen an den Herd“.

Aus dieser Forderung spricht Schwäche: Mann möchte unterdrücken, was er gleichermaßen begehrt wie fürchtet.

Ich habe mich vor einigen Wochen mit einem radikalen Männerrechtler getroffen

Der frauenfeindliche Blogger profitiert von einem Vakuum: Der Feminismus hat in den vergangenen Jahrzehnten in der Politik, in Uni-Hörsälen und in den Medien weibliche Rollenbilder in den Mittelpunkt gerückt. Das Verhältnis der Geschlechter zueinander hat sich radikal verändert – was das mit den Männern macht, wird aber nur selten thematisiert. In der Öffentlichkeit stehen starke, selbstbewusste Frauen, die erzählen, wie sie Schwierigkeiten in der Liebe, im Beruf und in der Familie gemeistert haben. Positive männliche Vorbilder sind selten. Aber der Bedarf ist vorhanden.

Es ist relativ einfach, sich über die dumpfen Parolen der Frauenhasser zu empören. Aber das verschafft ihnen nur Aufmerksamkeit und Zulauf. Besser wäre es, verunsicherten Männern zu zeigen, dass die Sachs-Methode beim anderen Geschlecht auch im 21. Jahrhundert meist die erfolgreichste ist.