Keystone / AP

Entrüstung über Video

Weiß und erfolgreich

von Manfred Rist / 10.01.2016

Die Werbung mit der Schönheit treibt Blüten, auch in Thailand. Ein heller Teint sei unabdingbar, heißt es in einer Videobotschaft, die für Entrüstung sorgt. NZZ-Korrespondent Manfred Rist berichtet aus Bangkok.

In Asien ist man subtile Hinweise und Bilder gewohnt, die weiße Menschen als attraktive und erfolgreiche Trendsetter zeigen, doch dieser Fall in Thailand bricht mit allen Konventionen: Die 35-jährige einheimische Schauspielerin Cirin Horwang gibt in einem Videowerbespot zum Besten, dass sie einfach weiß bleiben müsse, um die jüngere Konkurrenz auf Distanz zu halten. Und um dies unmissverständlich zu illustrieren, wird in der Animation ihr Antlitz grau und schwarz, und ihr Blick wandert neidvoll und giftig auf eine weiße Jüngere. Nach einem Proteststurm am Freitag war die Sequenz auf YouTube nicht mehr allgemein zugänglich. Die Botschaft ist klar: Wenn ich meine Hautaufheller-Pille absetze, nützen alle Bemühungen nichts, meinen schönen weißen Teint zu erhalten. Weiß garantiert Erfolg, wer dunkel ist, hat weniger Chancen. Der Clip ist so unmissverständlich konzipiert, dass es sich nicht um ein Versehen unbedarfter Werber, sondern nur um eine gezielte Provokation handeln kann.

Ungeachtet der Entrüstung, die sich bezeichnenderweise vor allem in englischer Sprache entladen hat, darf vermutet werden, dass der Inhalt der Botschaft ankommt. Ob in China, Indien, Indonesien oder eben Thailand, das Schönheitsideal der asiatischen Frau ist Weiß. Dafür werden Cremes verwendet, Sonnenschirme und Hüte getragen und Make-up dick aufgetragen. Golf spielt man vorzugsweise nachts, im Swimmingpool drückt man sich an den schattigen Rand; selbstverständlich schluckt man Pillen, und auf verdeckten Hautstellen werden beim Zubettgehen die verschiedenen Whitening-Cremes erprobt. Ein Blick in die reichhaltigen Regale von Apotheken genügt: Der Übergang vom Sun-Blocker zum Hautaufheller ist fließend, das Angebot endlos, je weißer, desto besser. Die Augenbrauen dürfen pechschwarz sein, die Haare einen Blaustich, alle Fingernägel eine andere Farbe haben, und die Zähne können durch Spangen verbarrikadiert sein. Aber die Haut soll bleich sein.

Für Europäer, die mit dem braunen Teint Sportlichkeit, Ferien und andere positive Attribute verbinden, ist die Sehnsucht nach der weißen Maske mitunter schwer verständlich. Doch in Thailand dient sie als Statussymbol, das den kultivierten Stadtmenschen vom Bauern unterscheidet – oder eben die Dame aus Bangkok vom Landei. Wer aufgrund der starken Hautpigmentierung von Natur aus so geprägt ist, dass auch Cremes nicht die gewünschte Wirkung bringen, muss indessen nicht ganz verzagen. Für diese Fälle hat der hiesige Sprachgebrauch mit „ethnic beauty“ eine nette Umschreibung bereit.