Weekend Magazin Vorarlberg 2017 KW 13

Randnotiz

Wie das Bundesheer Frauen anwerben will

Meinung / von Lucia Marjanovic / 10.04.2017

Das Bundesheer wirbt seit Jahren gezielt Frauen an. Vielleicht sollte den Herren Werbeplanern jemand sagen, dass es diesem Ziel nicht förderlich ist, Frauen auf ihre Unterwäsche zu reduzieren.

Vor Jahren sorgte ein Werbespot fürs Bundesheer, den man guten Gewissens als frauenfeindlich bezeichnen kann, für Aufruhr.

Diese Zeiten sollten vorbei sein. Am Weltfrauentag 2016 gab Minister Doskozil die Devise aus: „Die Frau als Soldatin soll ein normales Berufsbild darstellen.“

Damit nicht so viele Frauen an körperlichen Aufnahmetests scheitern, änderte der Minister die Leistungsüberprüfungen. Leisten müssen die Frauen noch dasselbe – aufgrund ihrer anderen körperlichen Voraussetzungen relativ gesehen übrigens mehr als Männer – aber der Prüfungsmodus wurde so verändert, dass mehr Frauen durchkommen.

Damit sich junge Frauen, die „gerne im Freien sind und Sport treiben“ über Karrieremöglichkeiten beim Bundesheer ein Bild machen können, wird jedes Jahr der „Girls’ Day“ veranstaltet. 150.000 Frauen werden vom Herrn Minister per Brief dazu eingeladen.

Bei diesen Veranstaltungen kann man in Panzer klettern, Maschinengewehre angreifen, in der Kantine essen und bekommt versichert, dass man sich selbstverständlich die Haare nicht abschneiden muss. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass man als Soldatin wesentlich besser verdient als als Friseurin oder in einem anderen klassischen Frauenberuf.

Dagegen ist absolut nichts zu sagen. Allerdings kann man sich schon ein bisschen wundern, wie lieblos und wenig konsequent die Frauen angesprochen werden. Die FAQ-Seite auf soldatin.bundesheer.at – die offensichtlich Frauen ansprechen soll – beinhaltet etwa die Frage: „Ich habe bereits meinen Zivildienst abgeleistet, jetzt aber interessiere ich mich für den Ausbildungsdienst. Ist der Zug für mich abgefahren?“, die offensichtlich nur Männer betrifft.

Und auf der offiziellen Seite des Bundesheers springt unter „Ihre Karriere beim Heer“ sofort ins Auge, dass für die höheren Dienstgrade keine weibliche Form genannt ist.


Credits: Screenshot bundesheer.at

Das wäre ja alles noch zu verschmerzen, beim Bundesheer darf man wohl nicht empfindlich sein, und letztlich sind das ja alles nur sprachliche Feinheiten, die nur Hardcore-Feministinnen interessieren, oder?

Aber aus werbetechnischer Sicht etwas seltsam mutet die Anzeige im Weekend Magazin Vorarlberg 2017 KW 13 an:


Credits: Weekend Magazin Vorarlberg 2017 KW 13

Vielleicht sollte den Herren Werbeplanern jemand sagen, dass nicht alles lustig ist, was irgendwie ein Wortspiel darstellt. Kontrollinstanzen dürfte es überhaupt nicht gegeben haben, schließlich wird auch auf die Internetadresse girlsday.bunderheer.at (sic) verwiesen.

Offensichtlich braucht man tatsächlich mehr Frauen im Bundesheer. In der Öffentlichkeitsarbeit zum Beispiel.

Update: Es habe sich bei dieser Anzeige um eine einmalige sexistische Entgleisung gehandelt, die leider durch sämtliche Kontrollinstanzen gerutscht sei, sagt Oberst Bauer, Pressesprecher des Verteidigungsministeriums. Das sei keineswegs die Linie, mit der das Bundesheer werben wolle. Es seien bereits Maßnahmen ergriffen worden, damit so etwas nicht wieder passiere.


In einer früheren Version des Artikels wurde „Soldat“ als „niedrigster Dienstgrad“ bezeichnet. Die Autorin bedauert den Irrtum.