Folge 8: Wie die Krone für den Islamischen Staat wirbt

von Christoph Zotter / 06.08.2015

Und warum der österreichische Dschihadist Mohamed Mahmoud gestern genau das bekam, was er wollte.

Dick ist er geworden. Sein Deutsch ist noch immer nicht ganz fehlerfrei, das Arabisch wird immer besser. So steht der Österreicher Mohamed Mahmoud irgendwo in den Ruinen der Wüstenstadt Palmyra, in der Hand ein Sturmgewehr. Vor ihm kniet ein unbekannter Mann.

Der 30-Jährige spielt wieder einmal die Hauptrolle in einem Propagandavideo, dieses Mal für die Gruppe Islamischer Staat. Er wird eine rund zweiminütige Rede halten, darin die Muslime zum Morden aufrufen („nehmt ein langes Messer“) und wie schon so oft drohen – diesmal der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (er nennt sie „Hündin“).

Am Ende wird er dem Mann vor ihm in den Hinterkopf schießen, dann kurz lächeln. Der Mann soll vom Glauben abgefallen sein. „Gott ist groß“, ruft Mahmoud in den Himmel.

Mahmoud hat sein Ziel erreicht

Wann dieses Video gedreht wurde, ist nicht bekannt. Die Reaktionen darauf waren erwartbar. Nur wenige Minuten nachdem es gestern veröffentlicht und über Twitter verbreitet wurde, machte es Schlagzeilen. Es soll das erste deutschsprachige Hinrichtungsvideo gewesen sein. Auf Twitter debattierten die Dschihadismus-Experten mit jenen, die sich dafür halten.

So schrieb Heinz-Christian Strache, dass er auf Wikipedia gelesen habe, dass Mahmouds Vater aus Ägypten sei. Das wiederum gab einem anonymen Twitterer (hinter dem Account vermuten mehrere Experten Mahmoud selbst) die Möglichkeit, den FPÖ-Chef als „Nazi-Hund“ zu beschimpfen, den man „abschlachten“ solle.

Alles in allem war es wohl ein guter Tag für Mohamed Mahmoud. Er hat seine Propaganda nach Österreich und Deutschland getragen. Er hat für Unruhe gesorgt, seine Botschaften standen in jeder Zeitung des Landes, liefen im Radio, im Fernsehen.

Die Krone zeigt den Mord

Genau das ist sein Job in der Gruppe Islamischer Staat. Die straff organisierte Miliz versucht, gezielt über die sogenannten „Foreign Fighters“ in ihren Reihen, einzelne Länder in ihren Kampf hineinzuziehen. Ein Engländer für England, ein Österreicher für Österreich. Dafür brauchen sie Medien, die ihre Propaganda möglichst aufgeregt, schrill und unbedacht weitertragen, damit auch jeder Angst vor den „Löwen des Islams“ hat.

Die Online-Ausgabe der Kronen Zeitung ging sogar so weit, das Video nahezu ungeschnitten und vollkommen unkommentiert über einen Artikel zu stellen. Sogar den Moment, in dem Mahmoud dem Mann vor ihm in den Hinterkopf schießt, haben die Krone-Journalisten nicht herausgeschnitten. Für die Dschihadisten kann es nicht besser laufen.

So hilft eines der größten Medienhäuser Österreichs für ein paar Klicks der Gruppe Islamischer Staat, ihre Propaganda ins Land zu tragen. Den deutschen Kriminalpsychologen Jens Hoffmann stören Ausrutscher dieser Art schon länger. „Nennt ihre Namen nicht, verpixelt ihre Gesichter“, sagte er der APA. Vor allem Einzeltäter seien öfter psychisch krank, sie würden sich nach Aufmerksamkeit sehnen. Kurz: Flippen die Medien aus, sei das Risiko für Nachahmer größer, die Dschihadisten ihrem Ziel näher.

Mahmoud will, dass wir alles sehen

Man kann Hoffmanns Vorschlag naiv nennen, ein bisschen weltfremd, journalistisch unmöglich. Schließlich muss man über den Wahnsinn doch berichten. Warum einen Mann verpixeln, dessen Gesicht man einfach googeln kann? Weshalb einen Namen nicht nennen, der seit Jahren in den Schlagzeilen ist und sogar in Büchern genannt wird?

Das hindert aber nicht daran, sich auch darüber Gedanken zu machen, was man besser nicht tut. Wo die Grenze ist, ab wann man sich den Dschihadisten andient, wenn auch ungewollt. Denn das Ziel von Propaganda ist, dass sie möglichst viele Leute erreicht.

Als dieser Text veröffentlicht wurde, stand das Video, auf dem Mohamed Mahmoud einen Menschen ermordet, noch immer auf krone.at. Er will, dass wir es sehen. Diesen Gefallen sollten die Journalisten dieses Landes ihm eigentlich nicht tun.

In der Serie dschihad(dot)com beschäftigen wir uns mit der Propaganda dschihadistischer Gruppen. Bislang sind sieben Folgen erschienen, Sie finden sie hier: Folge 1 (Twitter und der Mediendschihad), Folge 2 (Alte Regimes und neue Wahrheit), Folge 3 (Der Traum vom Kalifat), Folge 4 (Den Mord auf der Kamera), Folge 5 (Das Prinzip Hinrichtung), Folge 6 (Der Hollywood-Faktor), Folge 7 (Ein Showroom für die Ideologie)