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Nachruf und Bilderstrecke

Zum Tod von Bud Spencer: Einer für ein Ave Maria

von Jürg Zbinden / 28.06.2016

Mit seinem Filmpartner Terence Hill beherrschte er das Genre der Westernkomödie nach Belieben und wurde damit zum Publikumsliebling. Nun ist der Schauspieler Bud Spencer im Alter von 86 Jahren gestorben.

Jeder kennt Stan Laurel und Oliver Hardy, das geniale Slapstick-Duo des 20. Jahrhunderts. Was den Bekanntheitsgrad der beiden anbelangt, so sind ihnen zwei Italiener ebenbürtig, deren Namen man für eine internationale Karriere im Filmgeschäft amerikanisierte: Aus Mario Girotti wurde Terence Hill, Carlo Pedersoli nannte sich fortan Bud Spencer, nach seinem Lieblingsbier der Marke Budweiser und dem von ihm geschätzten Schauspieler Spencer Tracy. Während der siebziger Jahre beherrschten Spencer und Hill das Genre der Westernkomödie fast nach Belieben, in den Achtzigern weiteten sie ihr Tätigkeitsfeld erfolgreich auf Metropolen wie Rio und Miami aus. Terence Hill mit seinen strahlend blauen Augen gab den Mädchenschwarm, während der schwarzbärtige Dicke einzig befürchtete, an Hunger zu sterben. Musste er Kohldampf schieben, bekam er miese Laune und verprügelte alle, die sich ihm in den Weg stellten – Bud Spencer in Aktion, das war wie Obelix, statt Zaubertrank gab’s meistens Bier à discrétion.

Schauspieler, Sportler, Musiker, Erfinder

Zur Zeit seiner großen Filmerfolge sah er zwar nicht mehr aus wie ein Modellathlet, aber der gebürtige Neapolitaner machte sich in seiner Jugend – wie der spätere Tarzan Johnny Weissmüller – einen Namen als Weltklasseschwimmer: Carlo Pedersoli unterbot, nachdem er mit seiner Familie wegen des Zweiten Weltkriegs nach Brasilien ausgewandert war, anno 1950 als erster Italiener die Minutengrenze über 100 Meter Freistil, gewann die nationalen Meisterschaften in dieser Disziplin sieben Jahre in Folge und war zweimaliger Olympionike (1952 in Helsinki und 1956 in Melbourne) sowie Mitglied der italienischen Wasserball-Nationalmannschaft.

Aber längst nicht nur seine sportlichen Meriten sind äußerst bemerkenswert, auch in der Musikindustrie fasste der vormalige Student der Rechtswissenschaften Fuß, als Komponist und Interpret. 1960 heiratete er Maria Amato, die Tochter des Filmproduzenten Giuseppe Amato (u.a. „Ladri di biciclette“, „La dolce vita“), die ihm drei Kinder schenkte. Und als ob der mannigfaltigen Talente nicht genug wären, betätigte sich Pedersoli auch noch als Erfinder und besaß etliche Patente.

Das Kuriose: Da machte ein hünenhafter, 1 Meter 90 messender Italiener unter amerikanischem Namen Filmkarriere, und im deutschsprachigen Raum kennt man fast nur die Stimme des im April verstorbenen Synchronsprechers und Schauspielers Wolfgang Hess, eines Schweizers. Auch sind es die deutschen Titel, unter denen Bud Spencer zum beliebtesten komischen Schwergewicht von Film und Fernsehen avancierte: „Vier für ein Ave Maria“, „Die rechte und die linke Hand des Teufels“, „Vier Fäuste für ein Halleluja“, „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“, „Zwei Missionare“ oder „Zwei außer Rand und Band“.

Er durfte 86 Jahre alt werden. „Er hat nicht gelitten, er hatte uns alle bei sich, und sein letztes Wort war ‚Danke‘“, sagte sein Sohn Giuseppe Pedersoli laut der italienischen Nachrichtenagentur Ansa. Danke, Bud Spencer.