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Video-Kommentar

Weniger Banker machen die Welt noch nicht schlechter

von Lukas Sustala / 23.03.2016

Die Bankengewerkschaft beklagt die dramatischen Stellenstreichungen in der Branche. Doch hat sie damit recht?

Die Gewerkschaft der Bankmitarbeiter warnt vor tragischen Stellen-Streichungen. Warum?

Man könnte meinen, im österreichischen Bankwesen finden aktuell dramatische Umwälzungen statt. Die Gewerkschaft der Bankmitarbeiter fordert eine Branchenstiftung, weil seit 2008 mehr als 5.000 Bankenjobs weggefallen sind. Das klingt dramatisch. Doch die Wahrheit ist, dass zwischen 2004 und 2008 – in den Boomjahren – auch 5.000 neue Jobs entstanden sind.

Also gibt es keine Gefahr für die Jobs in der Branche?

Doch. Die Digitalisierung und Filialschließungen haben zwar auf die gesamte Anzahl der Beschäftigten noch kaum Auswirkungen gehabt, sehr wohl aber auf die Profitabilität in der Branche. Dazu kommt noch das Niedrigzinsumfeld, das den Geldhäusern zusetzt. Auch OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny warnt, dass in den nächsten fünf Jahren jeder dritte Bankjob wackeln könnte.

Was heißt das für die Kunden?

So wie auch in anderen Lebensbereichen wird viel mehr digital ablaufen. Dazu braucht es weniger physische Orte, an denen die Banken mit den Kunden interagieren. Das kann auch sein Gutes haben, gerade wenn die gesunkenen Personalkosten dazu führen, dass die Banken nicht mehr mit versteckten Gebühren ihre eigene, große Kostenbasis verdienen müssen. Am Ende aber profitieren Kunden nur, wenn es wirkliche Konkurrenz gibt, zwischen Universalbanken, Direktbanken und neuen Fintechs. Dann nämlich stehe wieder Service und Kundenorientierung im Vordergrund, nicht, wie viele Jobs es in der Branche gibt. Es war ja eine Erkenntnis der Finanzkrise, dass der Finanzsektor zu aufgebläht war. Physiker und Chemiker landeten an der Wall Street auf der Jagd nach dem schnellen Geld. Vielleicht ist es jetzt nur gut, wenn die Bankenbranche auch wieder etwas schrumpft.


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