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Walkthrough

4,4 Milliarden Gründe für den Bank-Austria-Verkauf

von Lukas Sustala / 23.10.2015

Die Bank Austria war für ihre Mutter in den vergangenen Jahren teuer. Drei US-Konzerne können angesichts hoher Nachfrage feiern. Und die OMV ist „kein Notfallpatient“. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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4,4 Milliarden Gründe für den Verkauf der Bank Austria. Vom Bauchgefühl her ist die Sache mit dem möglichen Verkauf wesentlicher Teile der Bank Austria durch ihre Mutter UniCredit ja schnell erzählt. Die Bankensteuer ist in Österreich hoch, die Kosten bei der Bank Austria sind im Vergleich sehr hoch – vor allem wegen der Personalkosten – und die UniCredit selbst schrumpft sich gesund, um eine bessere Kapitalausstattung zu haben. In unserem Podcast gehen wir aber ein wenig tiefer auf die strukturellen Schwierigkeiten der Bankenlandschaft ein (NZZ.at):

Tatsächlich zeigt sich, dass die UniCredit viele Gründe hat, zu hinterfragen, wie genau ihre Österreich-Tochter aufgestellt sein soll. 4,4 Milliarden Euro soll die italienische Konzernmutter in den vergangenen fünf Jahren nach Wien überwiesen haben, gerade um den Kapitalbedarf bei einigen Osteuropatöchtern aufzupäppeln (Der Standard). In diesem Zeitraum gab es keine Dividende. Offenbar hat die Zentrale in Mailand die möglichen Verkaufspläne für das Privatkunden- und KMU-Geschäft bereits an die Vorstandsebene in Wien kommuniziert. Angesichts der schwierigen Lage in Italien selbst scheint es logisch, dass die UniCredit prüfen muss, wie sie mit der Tochter in Österreich weitermacht.

Drei US-Konzerne feiern. Google (Alphabet), Microsoft und Amazon haben Zahlen vorgelegt, und aus verschiedenen Gründen haben diese die Investoren verzückt. Allen voran ist es wohl die Hoffnung auf mehr, die da aus den Sprüngen auf dem Aktienmarkt spricht. Cloud Computing und Mobile Advertising sind die Stichworte, die für Gewinne sorgen (NZZ.at).

Der Jubel über die EZB. Die Europäische Zentralbank hat den Investoren ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk gemacht. Mit der Aussicht, im Dezember womöglich weitere Maßnahmen zu beschließen, haben an den Finanzmärkten offenbar wenige gerechnet. Die Bereitschaft von EZB-Präsident Mario Draghi, bereits in eineinhalb Monaten etwas gegen die niedrige Inflationsrate zu tun, hat die Börse daher am Donnerstag beflügelt. Auch am Freitag ging es in dieser Tonart weiter. Und so verbleiben die Märkte im monetären Modus, angetrieben von der Aussicht, dass die Zinsen noch niedriger oder die Geldschwemme noch größer ausfallen könnten:

Wie Börsianer auf Draghi reagierten
Wie Börsianer auf Draghi reagierten
Aktienmärkte, vom ATX über den DAX bis zum Eurostoxx 50, reagierten sehr positiv auf die Ankündigung von EZB-Chef Mario Draghi.
Credits: Factset

Chinas Notenbank lockert die Geldpolitik. Die People’s Bank of China hat am Freitag den Leitzins um 25 Basispunkte gesenkt. Der Leitzins steht nun bei 4,35 Prozent. Zudem werde die Mindestreserve um 0,5 Prozentpunkte abgesenkt.

„Die OMV ist kein Notfallpatient“. Das sagt ihr CEO Rainer Seele. Was für die OMV aber sicher ist: nicht profitabel genug. Und daher schwört Seele in einem Interview auch die Mitarbeiter auf mögliche Einsparungen – und die mögliche Expansion – ein. Denn die Profitabilität muss erhöht werden. Wie? „Indem wir einerseits die Kosten senken und andererseits das Portfolio an die geänderten Marktbedingungen anpassen. Wir schauen uns verstärkt danach um, wo wir kostengünstig Produktionen aufbauen können. Das ist auch der Grund, warum ich zuletzt öfter im Iran war.

Kaufhof-Immobilien bewertet. Es war ein Übernahmestreit, in dem die österreichische Signa-Gruppe um den Immobilieninvestor René Benko unterlag. Kaufhof wurde schließlich vom kanadischen Handelsunternehmen Hudson’s Bay Company (HBC) übernommen, und die Immobilien der Warenhauskette werden nun mit einem sehr hohen Preis bewertet (Handelsblatt). Hudson’s Bay zahlte für Kaufhof 2,825 Milliarden Euro – für 41 der 59 damit erworbenen Kaufhof-Immobilien zahlte ein Gemeinschaftsunternehmen von HBC und dem Immobilienunternehmen Simon Property wiederum 2,6 Milliarden Euro.

Free Lunch – Food for Thought

Wer Lesestoff braucht: Brand Eins klingt nach einer spannenden Lektüre für ein verlängertes Wochenende.

Österreichs Haushalte besitzen 592 Milliarden Euro (OeNB).

Sollte man in juristische Verfahren investieren dürfen? (NY Times)

Wie Chinas Wirtschaft vor dem nächsten Fünf-Jahres-Plan dasteht (Project Syndicate).