500 Milliarden Euro und 140 Jahre warnende Wirtschaftsgeschichte für die Eurozone

von Lukas Sustala / 09.01.2015

Die EZB arbeitet offenbar immer konkreter an einem Ankaufprogramm von Staatsanleihen und Ökonomen warnen vor den desaströsen Wirkungen von Immobilienbooms. Dieser Walkthrough bietet einen kurzen Überblick über die aktuell wichtigsten und/oder spannendsten Geschichten, die sich im Phänomen Geld ereignen. Viel Spaß beim Lesen.

Die Milliardenspritze der EZB wird aufgezogen. Kann das alles Zufall sein? Kurz nachdem die Eurozone offiziell in die Deflation rutscht, gibt es einen Leak aus der Europäischen Zentralbank. Bloomberg berichtet heute von einem 500-Milliarden-Euro schweren Ankaufprogramm, das die EZB vorbereitet.

Es soll sich dabei um Staatsanleihen mit guter Bonität (BBB oder besser, also Investment-Grade) handeln (Bloomberg). Ein Ankaufprogramm von lang laufenden Staatsanleihen soll die Finanzierungskonditionen im Euroraum weiter verbessern und Unternehmen und Konsumenten zum Investieren animieren.

Der Zins schwindet. Das dürfte das Veranlagungsuniversum für Sparer und Großanleger weiter einengen. Nach dem jüngsten Renditerutsch an den Kapitalmärkten sind bereits 1.200 Milliarden Euro in Staatsanleihen mit negativen Zinsen veranlagt (Paywall).

140 Jahre warnende Geschichte. Drei Wirtschaftsforscher haben in einer aktuellen Studie 140 Jahre Finanzgeschichte analysiert. Ihre Schlussfolgerung: Niedrige Zinsen der Zentralbanken tragen regelmäßig zu nicht nachhaltigen Immobilienbooms bei, die sich zu desaströsen Finanzkrisen auswachsen. Hier gibt es die Studie im Detail. Die Kernaussage der Studie: „Loose monetary conditions are causal for mortgage and house price booms, and this effect has become much more dramatic since WW2.“ Die Studie ist voller spannender Charts, so wie diesem hier, der das massive Wachstum der Hypothekenverschuldung in den Industrieländern dokumentiert:

Quelle: Schularick, Taylor, Jordá

Hyperinflation bei Wiener Villen? Der Ex-Deutsche-Banker Bernhard Ramsauer macht mit einem starken Immobiliendeal von sich reden (Kurier): eine Döblinger Villa um 9,62 Millionen Euro kaufen und zwei Monate später um 23 Millionen verkaufen. Das klingt nach einem wahrlich guten Geschäft. Die aufs Jahr hochgerechnete Rendite liegt bei über 4.000 Prozent.

Santanders linke und rechte Tasche. Die spanische Großbank Santander hat am Donnerstagabend eine massive Kapitalerhöhung über 7,5 Milliarden Euro angekündigt. Sie stand unter Druck von Analysten, ihren Kapitalpolster zu stärken. So weit, so schlüssig. Doch der Schritt ist auf den zweiten Blick weniger logisch. Denn gleichzeitig ändert die Bank ihre Dividendenpolitik. Statt in Aktien werden die Aktionäre künftig in Cash am Gewinn beteiligt. Damit dürften schnell 25 Prozent des eingesammelten Kapitals wieder an die Aktionäre zurückgegeben werden, wie die Lex-Kolumnisten der FT bekritteln (Paywall).