Adrian Wyld / Keystone

Bahamas Leaks

6 Fragen und Antworten zum Datenleck

von NZZ Neue Zürcher Zeitung / 22.09.2016

Die Bahamas-Leaks machen Daten von gut 175.000 Firmen auf den Bahamas öffentlich. Was dies mit den Panama Papers zu tun hat und welche Politiker nun in Bedrängnis geraten.

Welche Daten enthalten die Bahamas-Leaks?

Beim Datenleck handelt es sich um das Firmenregister des Inselstaates Bahamas. Das Journalistenkonsortium ICIJ hat daraus eine online frei zugängliche Datenbank gemacht, die man nach Namen, Ländern und Firmen durchsuchen kann. Darin erwähnt sind gut 175’000 Briefkastenfirmen, Trusts und Stiftungen, die seit 1990 auf den Bahamas gegründet wurden.

Was zeigen die Bahamas-Leaks?

Die Dokumente setzen die Namen von Firmen, Trusts und Stiftungen mit Personen in Verbindung. Im öffentlichen Firmenregister der Bahamas kann man online nur nach Firmennamen suchen, Personennamen findet man keine. Dagegen können die Bahamas-Leaks Aufschluss darüber geben, wer Direktor, Präsident oder Mitarbeiter einer Bahamas-Firma ist oder war. Entsprechend kann man daraus Details über Offshore-Aktivitäten von Politikern ablesen.

Wer hat die Daten geleakt?

Die insgesamt 38 Gigabyte Daten wurden der „Süddeutschen Zeitung“ von einer Quelle zugespielt, zu der die Zeitung keine Angaben macht. Die „Süddeutsche Zeitung“ teilte die Daten mit dem ICIJ; sie wurden weltweit an verschiedenen Orten ausgewertet.

Was haben die Bahamas-Leaks mit den Panama Papers zu tun?

Die Panama-Papers bestehen aus 2,7 Terabyte an Daten der Anwaltskanzlei Mossack Fonseca, also aus internen geschäftlichen Dokumenten. Darunter befinden sich E-Mails, Urkunden, Kontoauszüge, Passkopien und weitere Dokumente von rund 214’000 Offshore-Gesellschaften, welche Mossack Fonseca im Auftrag ihrer Kunden gegründet hat.

Die Daten der „Bahamas-Leaks“ dagegen enthalten Informationen aus einer staatlichen Quelle, aus dem Unternehmensregister der Bahamas. Sie haben mit 38 Gigabyte einen deutlich kleineren Umfang als die „Panama Papers“.

Eine Verbindung zwischen den Datenlecks schafft Mossack Fonseca. Die international tätige Kanzlei ist ist gemäss den Bahamas-Leaks der wichtigste Vermittler von Briefkastenfirmen auf den Bahamas. Neben Mossack Fonseca sind auch die Schweizer Banken UBS und CS auf den Bahamas sehr aktiv. Laut einem Bericht des „Tages-Anzeigers“ haben die UBS und die CS je gut 9500 Offshore-Firmen gegründet.

Warum die Bahamas?

Der Inselstaat zwischen Florida und Kuba erhebt weder Einkommens-, noch Vermögens-, noch Körperschafts-, noch Kapitalertragssteuern. Bargeld darf man ohne Begrenzung einführen. Das sind gute Voraussetzungen für Finanzgeschäfte.

Die Finanzdienstleistungen trugen 2014 laut dem Internationalen Währungsfonds (IMF) rund 10% zum Bruttoinlandprodukt der Bahamas bei. Dabei ist der Offshore-Sektor überdimensional gross. Aktiven von 2200% des BIP werden alleine Offshore-Banken zugeschrieben. Seit drei Jahren schrumpft die bahamische Wirtschaft.

Welche Politiker tauchen in den Bahamas-Leaks auf?

(Bild: Toby Melville / Reuters)
  • Die neue britische Innenministerin Amber Rudd war laut dem „Guardian“ in zwei Offshore-Firmen involviert. Dies war allerdings auf die Zeit Ende der 1990er Jahre, als Rudd noch nicht in der Politik, sondern in der Venture-Capital-Branche tätig war. Diese Tatsache liess sie allerdings unerwähnt, als der frühere Premierminister David Cameron im April im Rahmen der „Panama-Papers“ wegen einer Offshore-Firma seines Vaters in Bedrängnis geraten war, und Rudd ihn öffentlich unterstützt hatte.
(Bild: Marcel van Hoorn / Keystone)
  • Die Niederländerin Neelie Kroes sass von 2004 bis 2014 in den beiden von Präsident Barroso geleiteten EU-Kommissionen; zunächst als Wettbewerbskommissarin und ab 2010 als Verantwortliche für die digitale Agenda. Laut dem ICIJ soll sie Direktorin einer der untersuchten Firmen auf den Bahamas gewesen sein. Stimmt das, stellt dies für Kroes ein Problem dar, weil laut dem Verhaltenskodex der EU-Kommission deren Mitglieder „weder entgeltliche noch unentgeltliche Nebentätigkeiten ausüben“ dürfen.
(Bild: Adrian Wyld / Keystone)
  • Der kanadische Finanzminister William Francis Morneau war Direktor der Morneau Shepell (Bahamas) Ltd. Das Unternehmen wurde 1966 von Morneaus Vater gegründet und hat eine Filiale auf den Bahamas. Auf Anfrage der „Süddeutschen Zeitung“ liess der Politiker erklären, das Geschäft auf den Bahamas sei „komplett legitim“.
  • Der Kolumbianer Carlos Caballero Argáez war von 1999 bis 2001 Minister für Minen und Energie und von 2001 bis 2003 Co-Direktor der kolumbianischen Zentralbank. Zugleich war er zeitweise Direktor beziehungsweise Präsident der Briefkastenfirmen Pavc Properties Inc und Norway Inc. Der Zweck seines Offshore-Engagements sei Steuervermeidung gewesen, erklärte Argáez gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“.