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FIFA

79 Millionen Franken für Blatter & Co.

von Elmar Wagner / 03.06.2016

Der Fifa-Ex-Präsident Blatter, der Generalsekretär und dessen Stellvertreter kassierten innert fünf Jahren 79 Millionen Franken. Zudem erhielten die Verträge Klauseln, die nach Schweizer Recht wohl nicht tragbar sind.

Anwälte der US-amerikanischen Kanzlei Quinn Emanuel sind bei der Fifa auf Dokumente gestossen, die überdimensionale Salär- und Bonus-Zahlungen an ehemalige Top-Funktionäre abbilden. So sollen zwischen 2011 und 2015 an drei Personen insgesamt 79 Millionen Franken geflossen sein.

Dabei ging es um Zahlungen an den damaligen Präsidenten Joseph Blatter, den damaligen Generalsekretär Jérôme Valcke und dessen damaligen Stellvertreter Markus Kattner, der gleichzeitig als Finanzchef amtierte. Alle drei sind unterdessen nicht mehr bei der Fifa. Blatter und Valcke wurden gesperrt; Kattner wurde am vorletzten Montag fristlos entlassen.

Verschiedene Auffälligkeiten

Bei den fraglichen Zahlungen gibt es verschiedene Auffälligkeiten. Zum einen gibt es eine Kaskade von verschiedenen Verträgen für jede der betroffenen Personen, zum andern macht der Zeitpunkt einzelner Vertragsabschlüsse stutzig. Einen Monat vor der umstrittenen Wiederwahl Blatters im Mai 2011 erhielten etwa Valcke und Kattner eine Vertragsverlängerung bis Ende 2019, verbunden mit einer grossen Lohn- und Bonus-Verbesserung.

Daneben wurde mit ihnen eine äusserst grosszügige Abfindung vereinbart: Bei Valcke betrug sie maximal 17,5 Millionen Franken, bei Kattner 9,8 Millionen. Im Falle eines Abgangs hätten die beiden Funktionäre zudem bis zum festgehaltenen Vertragsende ihren Lohn erhalten.

Offenbar wollte man mit diesen Verträgen der Eventualität vorbeugen, dass Blatter abgewählt wird – und danach seine beiden Spitzenfunktionäre gehen müssen. Gleichzeitig enthielten diese Verträge Klauseln, die nach Schweizer Recht wohl nicht tragbar sind: Die Abgangsentschädigung wird auch bei einer fristlosen Auflösung des Arbeitsverhältnisses ausbezahlt. Und sollte der Mitarbeiter in zivil- oder strafrechtlicher Hinsicht belangt werden, verpflichtet sich die Fifa, sämtliche Kosten für die damit verbundenen Verfahren zu übernehmen.

Schatten auf Scala

Auf Domenico Scala, den vor drei Wochen zurückgetretenen Chef des Audit-und-Compliance-Komitees, fällt ebenso ein Schatten. Die aufgetauchten Dokumente zeigen, dass Scala in seiner Funktion als Chef der Entschädigungskommission nach 2013 zwar Lohn und Bonus von Blatter reduzierte, nicht aber die hohen Bezüge von Valcke und Kattner. Zudem unterzeichnete er letztes Jahr eine Vertragsverlängerung bis Ende 2023 für Kattner – just vier Tage nach dem Zugriff der US-Justiz auf korrupte Funktionäre.

Die Anwälte von Quinn Emanuel halten fest, dass sie sowohl die Schweizer Bundesanwaltschaft als auch das US-amerikanischen Department of Justice und die Ethikkommission über die Dokumente informiert haben. In diesem Zusammenhang ist auch die Razzia der Bundesanwaltschaft vom Donnerstagabend bei der Fifa zu sehen. Offenbar beschlagnahmte sie in Kattners vormaligem Büro Unterlagen.

Machtkampf

Es ist offensichtlich, dass die jüngsten Informationen nicht von ungefähr gerade jetzt an die Öffentlichkeit getragen werden. Rund um die Fifa tobt ein Machtkampf, in den zumindest Gianni Infantino, Markus Kattner, der Fifa-Chefjurist Marco Villiger und Domenico Scala verwickelt sind. Erst in den letzten Tagen war via Gesprächsprotokolle durchgesickert, dass Infantino den Chefaufseher Scala loswerden wollte.