Ärgernis Cheflöhne: Die Wirtschaft und ihre Glaubwürdigkeit

von Hansueli Schöchli / 14.09.2016

Exzessive Cheflöhne führen zu Kosten, die weit über die Lohnbuchhaltung der betroffenen Firmen hinausgehen.

Zugegeben: 20-Millionen-Bezüge à la Vasella (Novartis) oder Ospel (UBS) und 70-Millionen-Intermezzos à la Dougan (Credit Suisse) waren jüngst kaum mehr zu sehen in der Schweiz. Aber viele Chefbezüge bleiben auf einem Niveau, das beim Publikum nur Kopfschütteln auslöst. Die bestbezahlten Kader börsenkotierter Firmen kassierten 2015 laut der neusten Erhebung etwa 10 Mio. bis 19 Mio. Fr. Selbst eine mittelgrosse Firma wie der Medienkonzern Tamedia, der sein Geld zuweilen auch mit publizierter Empörung über „Abzocker“ zu verdienen versucht, vergoldete seinen Konzernchef mit über 6 Mio. Fr.

Eigentlich müsste dies nur die Eigentümer kümmern. Es müsste uns auch nicht weiter kümmern, dass es auf Chefetagen ebenso stark menschelt wie im Kinderzimmer und deshalb der Drang, „mehr“ zu haben als der andere, nicht zu bändigen scheint. Doch dummerweise sind die Cheflöhne seit über einem Jahrzehnt ein politisches Ärgernis, und dieses will sich auch nach dem Volks-Ja zur „Abzocker“-Initiative nicht einfach abmelden. Die Glaubwürdigkeit der „Wirtschaft“ hat deshalb gelitten. Dies hat auch diverse andere Gründe, wie etwa die Finanzkrise mit der UBS-Rettung durch den Staat oder die Entfremdung globaler Konzerne von der helvetischen Basis. Doch das Cheflohn-Thema gärt weiter. Wenn also Wirtschaftsvertreter dem Bürger zum Beispiel erklären wollen, dass die bilateralen Verträge Schweiz – EU zentrale Bedeutung haben oder dass die Senkung der Umwandlungssätze bei den Pensionskassen für die Generationengerechtigkeit schon längst überfällig ist oder dass ein Volks-Nein zur Unternehmenssteuerreform ein Schuss ins eigene Knie wäre, dann ist nicht sicher, ob die Botschaft ankommt. Nicht weil die Botschaft falsch wäre, sondern weil es Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Absender gibt. Es wäre deshalb zu wünschen, dass sie etwas öfter in den Spiegel schauen.