Europäische Luftfahrt

Air Berlin bald mit ihrem Latein am Ende

von Werner Enz / 10.08.2016

Die Air Berlin hat im Quartal per Ende Juni einen Nettoverlust von 89 Mio. € erlitten. Es stehen tiefgreifende Einschnitte an. Der Ausbau des Angebots über den Atlantik löst das Ertragsproblem nicht.

Die Reaktion der Investoren auf wiederum schlechte Quartalszahlen der Air Berlin sind am Mittwoch mit einem Abschlag von fast 8% heftig ausgefallen. Air Berlin kämpft ums Überleben, wobei sich der Fokus weniger auf die Börsenkapitalisierung (kümmerliche 75 Mio. €) als auf die Entwicklung der Barmittel richtet. Letztere haben sich trotz einem Quartalsverlust von 89,1 Mio. € bis zur Jahresmitte auf knapp unter 400 Mio. € erholt. Wird aber der operative Halbjahresverlust von ungemütlich hohen 234,9 Mio. € nur schon um einige Monate in die Zukunft extrapoliert, sind derart dünne Liquiditätspolster rasch aufgezehrt.

Stefan Pichler, der Steuermann von Air Berlin, spricht von tiefgreifenden Veränderungen, die im gesamten Unternehmen nötig seien. Damit kann er kaum den soeben angekündigten Ausbau des Angebots auf den transatlantischen Strecken meinen, denn das wird im ohnehin überbevölkerten Markt unter dem Strich nicht viel einbringen. Die geplante Erhöhung der Frequenzen ab Berlin und Düsseldorf sowie neue Flüge ab März 2017 nach San Francisco und Los Angeles sind zudem massgeblich auf das Netzwerk von Etihad Airways abgestimmt. Noch immer halten die Investoren vom Golf Air Berlin die Stange, aber die lange Verlustserie dürfte deren Nerven zunehmend strapazieren.

Air Berlin hat die Kapazitäten im Vorjahresvergleich um fast einen Zehntel reduziert, doch hat das offensichtlich noch keine Trendumkehr bewirkt. Der Restrukturierungsprozess kommt nicht rasch genug voran, und die Serie terroristischer Anschläge hat Air Berlin stärker noch als viele Konkurrenten zurückgeworfen. Nach eigenen Angaben erwirtschaftet das Unternehmen einen Drittel des Umsatzes im touristischen Luftverkehr. Die Türkei und Nordafrika sind nun ein sehr hartes Pflaster. Somit führt für Air Berlin kein Weg daran vorbei, in enger Anlehnung an Etihad Airways weitere unrentable Strecken aus dem Netz zu nehmen.