Alice stürzt ins Negativzins-Wunderland

von Lukas Sustala / 03.03.2015

An den Finanzmärkten geschehen aktuell wundersame Dinge. Die Republik Österreich hat sich am Dienstag erstmals mit negativen Zinsen finanziert. Die durchschnittliche Verzinsung für die 605 Millionen Euro schwere Anleihe mit knapp viereinhalb Jahren Laufzeit beträgt –0,038 Prozent. 90 Prozent des Papiers wurden von ausländischen Banken gezeichnet.

Anleiheninvestoren sind in vorauseilendem Gehorsam zum Anleihenkaufprogramm der Europäischen Zentralbank, das kommende Woche starten wird, kopfüber in den Pool liquider Anlagen in der Eurozone gestürzt. Die Konsequenz der Geldflut aus Frankfurt und niedriger Neuemission ist das immer öfter sichtbare Phänomen von negativen Renditen bei vermeintlich sicheren Anleihen. Das folgende Chart von den Kreditanalysten der Royal Bank of Scotland zeigt, dass in Deutschland, Österreich und den Niederlanden bereits zumindest mehr als 50 Prozent der ausstehenden Anleihen am Kapitalmarkt mit negativen Renditen gehandelt werden. Die Anlageklasse der „festverzinsten Wertpapiere“ sollte wohl eher „nichtverzinste Wertpapiere“ heißen:

Im Klub der Negativen Zinsen
Im Klub der Negativen Zinsen
Anteil der Anleihen in einem Land, die aktuell an den Finanzmärkten mit negativen Verzinsungen gehandelt werden.