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Alles, was Sie zur ersten US-Zinserhöhung seit 2006 wissen müssen

von Lukas Sustala / 16.12.2015

The Fed awakens. Die US-Notenbank Federal Reserve hat den Anfang vom Ende des billigen Geldes eingeläutet. Erstmals seit 2006 hat die Zentralbank in Washington den Leitzins angehoben, von einem seit 2009 geltenden Band zwischen null bis 0,25 Prozent auf 0,25 bis 0,5 Prozent. Eine Einordnung in 7 Grafiken.

Die Zinsen

Die US-Zinsen bleiben auch nach dem heutigen Tag niedrig. Die US-Notenbank hat den von Analysten erwarteten Zinsschritt um 25 Basispunkte, also 0,25 Prozentpunkte, vollzogen. Aktuell liegen die Leitzinsen in einem Band zwischen null und 0,25 Prozent, künftig zwischen 0,25 und 0,5 Prozent. Die US-Notenbank ist mit ihrer Zinserhöhung nicht die erste der Zentralbanken in Industrienationen, die eine Zinserhöhung wagt. Die EZB hat 2011 die Zinsen angehoben – was sie allerdings bald daraufhin zurückgezogen hat. Die Federal Reserve würde jetzt mit ihrer Zinsanhebung eher alleine dastehen, am ehesten könnte die Bank of England nachfolgen. Die EZB hat sich zuletzt hingegen in die Gegenrichtung bewegt und die Zinsen noch einmal gesenkt.


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Der US-Arbeitsmarkt

Hauptgrund für eine Zinserhöhung in den USA ist die bessere realwirtschaftliche Lage. Die Arbeitslosigkeit ist nach sechs Jahren langsamer wirtschaftlicher Erholung deutlich gefallen, auf zuletzt noch fünf Prozent. Wichtiger Wermutstropfen: Die Partizipationsrate ist niedrig geblieben, auch in den vergangenen Jahren sind US-Amerikaner aus verschiedenen Gründen aus dem Arbeitsmarkt ausgeschieden und – noch – nicht wiedergekehrt.

Die Schulden

Ursache der großen Finanzkrise ab 2008 war die hohe Verschuldung der US-Haushalte und Finanzunternehmen. Seit damals haben sich die beiden Sektoren zwar leicht entschuldet, dafür haben aber der Staat und die Unternehmen neue Schuldscheine begeben. Gerade im Unternehmenssektor sind schwache Schuldner mit schlechtem Rating in den vergangenen Wochen unter deutlichen Druck vonseiten des Kapitalmarktes gekommen. Für eine Zinsanhebung sprechen also gerade auch die größer gewordenen finanziellen Risiken durch die neue Verschuldung.

Die Schuld der Fed

An der hohen Verschuldung trägt auch die US-Notenbank Verantwortung. Sie hat ihre Bilanzsumme seit 2008 massiv erhöht und Wertpapiere aufgekauft. Daher ist es für sie gar nicht so einfach, die Zinsen ohne weiteres zu erhöhen und Liquidität aus dem Markt zu nehmen. Denn nach wie vor hat sie knapp 4.500 Milliarden Dollar an Papieren auf ihren Büchern.

Die Finanzmärkte

Die US-Börsen haben nahezu sieben fette Jahre hinter sich. Der Leitindex S&P 500 hat sich seit den Tiefen der Finanzkrise im Wert fast verdreifacht und damit stärker entwickelt als andere Finanzmärkte (im Vergleich etwa zum DAX in Deutschland oder dem ATX in Österreich).

Die USA bekommen einen Schnupfen, und die Welt …

Seit 2006 ist aber noch etwas anderes passiert. Die US-Volkswirtschaft hat etwas an ihrem Gewicht in der globalen Wirtschaft verloren. Der Aufstieg Chinas hat eine zweite Weltmacht in Wirtschaftsfragen auf die Bühne gebracht. Daher dürfte für Länder der Euro-Zone wie Österreich nicht nur die US-Geldpolitik wichtig sein, sondern gerade auch, was in China passiert. Und dort dürften die Zinsen sogar eher sinken, weil sich die Regierung gegen die wirtschaftliche Abschwächung stellt. Die alte Regel, dass die Welt sich von jedem Schnupfen der US-Wirtschaft – etwa durch höhere Zinsen – anstecken lässt, muss also nicht mehr gelten.

Der Ausblick: Es bleibt niedrig

Eine schnelle Trendwende ist der Zinsentscheid noch nicht. Die langfristigen Zinssätze in den USA – und noch mehr in der Euro-Zone – zeigen an: Die Renditen werden noch länger niedrig bleiben. Für Sparer bleibt damit die Gefahr des „Armsparens“ bestehen.