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Tech-Giganten

Alphabet stößt Apple vom Börsen-Thron

von Christiane Hanna Henkel / 02.02.2016

Es war ansehnlich, was im Jahresbericht von Alphabet ans Tageslicht kam: Google ist viel profitabler als gedacht. Auch weiß man nun, was der Konzern für seine Zukunftsprojekte ausgibt. Die Investoren waren so begeistert, dass Google nun der wertvollste Konzern der Welt ist.

Schon seit einiger Zeit hatten die Investoren und Analysten gefordert, dass der Google-Konzern ihnen mehr Einblicke in die einzelnen Geschäftsbereiche gewährt. Schließlich war nie so richtig klar, wie hoch die Investitionen und Kosten des Kerngeschäfts – die Google’sche Suchmaschine – sind, und welche Summen der Konzern in seine konzerneigenen Jungfirmen und Projekte steckt. Auch wurde bisher der Umsatz nicht getrennt nach diesen beiden Bereichen ausgewiesen. Die Aktionäre waren nicht zuletzt beunruhigt, dass im Schutz dieser mangelhaften Transparenz die Kostendisziplin eher zweitrangig werden würde. Die Google-Aktien wollten folglich nicht so richtig vorankommen.

Verbindung zur Wall Street

Um die Verbindung zu den Investoren und den Analysten an der Wall Street zu verbessern, hatte Google letzten Sommer dann die Finanzchefin von Morgan Stanley, Ruth Porat, abgeworben. Mit der Umbenennung des Konzerns in Alphabet und der Strukturierung in den Kerngeschäftsbereich Google auf der einen und in den Bereich der Jungfirmen der anderen Seite hatte der Konzern im Spätsommer den zweiten Schritt gemacht. Und am Montag nach Börsenschluss machte Alphabet nun den dritten und wohl entscheidenden Schritt in Richtung mehr Transparenz mit der Bekanntgabe der erstmals nach Geschäftsbereich ausgewiesenen Jahres- und Quartalszahlen.

Der jüngste Quartals- bzw. Jahresbericht brachte überwiegend Positives zutage. Zunächst einmal war die Geschäftsentwicklung generell gut. Der Konzernumsatz stellte sich im Geschäftsjahr auf um 14 Prozent höhere 74,99 Milliarden Dollar und der Gewinn auf 12 Prozent höhere 15,84 Milliarden Dollar. Besonders gut war dabei die Entwicklung des Geschäftsbereichs Google (Suchmaschine, YouTube, Apps, Android und Maps). Der Umsatz legte um 14 Prozent auf 74,54 Milliarden Dollar zu. Vor allem im vierten Quartal hatte das Geschäft stark angezogen; die bezahlten Klicks legten mit einem Plus von 31 Prozent das höchste Wachstum der letzten zwei Jahre vor. Auch kam zu Tage, dass das Kerngeschäft profitabler ist als bisher gedacht. Google konnte etwa für das vierte Quartal eine Betriebsmarge von 25 Prozent ausweisen.

Auch erfuhren die Anleger und Analysten, was Alphabet sich seine hausinternen Jungunternehmen, die „Moonshots“, kosten lässt. Im vergangenen Jahr wiesen diese einen Betriebsverlust von 3,57 Milliarden Dollar aus, nach 1,94 Milliarden Dollar im Jahr davor. Zu den Jungunternehmen gehören etwa der Hersteller von intelligenten Rauchmeldern und Hausthermostaten Nest Labs, Aktivitäten im Bereich Gesundheit (Calico und Verify), ein Risikokapital-Fund und Forschungsaktivitäten im Bereich fahrerloser Autos, Drohnen und Roboter. Der Bereich erwirtschaftete im Geschäftsjahr einen Umsatz von nur 448 Millionen Dollar.

Der starke Dollar als Last

Währungsveränderungen, insbesondere die Erstarkung des Dollar lasteten allerdings auf den Geschäftszahlen des Alphabet-Konzerns. So hätte der Umsatzzuwachs im vierten Quartal im Vergleich mit dem Vorjahresquartal währungsbereinigt 24 Prozent betragen; die Währungsveränderungen aber hatten Alphabet in dem Zeitraum sechs Prozentpunkte des Wachstums gekostet. Auch viele andere Technologiekonzerne hatten in den letzten Wochen ähnliche Währungseinbußen im letzten Quartal bzw. im Geschäftsjahr ausgewiesen. Apple etwa hätte ohne Währungsschwankungen im letzten Quartal ein Umsatzplus von 8 Prozent auf 80,8 Milliarden Dollar ausweisen können, mit diesen aber kam das Unternehmen auf nur zwei Prozent Umsatzzuwachs.

Die amerikanischen Technologiekonzerne leiden überproportional kräftig unter der Erstarkung des Dollar, weil sie einen höheren Anteil ihres Umsatz im Ausland erwirtschafteten als Konzerne anderer Branchen. Der Auslandsanteil liegt mit rund 60 Prozent schätzungsweise zehn Prozentpunkte über jenem der anderen US-Großkonzerne. Wie die meisten Technologiekonzerne verfügt auch Google über einen hohen Bestand an Barmitteln. Doch von den 73 Milliarden Dollar liegen rund 60 Prozent im Ausland und können nur nach erheblicher Besteuerung zurück in die USA gebracht werden. Finanzchefin Porat erklärte denn auch am Monat, dass Alphabet trotz des Cash-Berges sich zusätzlich verschulden werde, um etwa Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufe bewerkstelligen zu können.

Alphabet überholt Apple

Im nachbörslichen Handel legten die Alphabet-Valoren um bis zu acht Prozent zu. Der Börsenwert der Alphabet-Aktien kletterte auf 562 Milliarden Dollar (Summe der A-, B- und C-Aktien des Konzerns, obwohl die B-Aktien nicht kotiert sind). Damit überholte Alphabet den Technologiekonzern Apple, der an der Börse per Handelsschluss am Montag mit 540 Milliarden Dollar bewertet wurde. Gemessen an der Marktkapitalisierung ist Google damit derzeit der größte börsenotierte Konzern weltweit.