KEYSTONE/Martin Ruetschi

Franken-Schock

Als der Schweizer Franken Angst und Schrecken verbreitete

von Lukas Sustala / 15.01.2016

Am 15. Jänner 2015 hat die Schweizerische Nationalbank den Mindestkurs des Euro zum Franken aufgegeben. Österreichische Kreditnehmer und Banken wurden international besonders getroffen und bleiben auch heute noch für Risiken exponiert.

Vor einem Jahr hat die Schweizerische Nationalbank den Mindestkurs des Euro aufgegeben. Die Entscheidung ging als „Franken-Schock“ in die wirtschaftlichen Annalen ein, denn der Franken wertete an einem Tag um knapp 14 Prozent gegen den Euro auf. Die SNB wollte mit der Aktion der Europäischen Zentralbank und ihrer Politik des billigen Geldes zuvorkommen. Alleine 2015 hat die EZB ihre Bilanzsumme um rund 500 Milliarden Euro ausgeweitet, die SNB hätte für die deutlich kleinere Volkswirtschaft Schweiz viel Geld in die Hand nehmen müssen, um den Franken künstlich zu schwächen.

Das ist natürlich vorwiegend für die Schweiz selbst zum Problem geworden. Eine teure Währung macht ein Land nicht nur für Touristen unattraktiver, sondern kann auch für die Exportwirtschaft zum schweren Schlag werden. Und so verwundert es nicht, dass sieben von zehn Schweizer Unternehmen weitere Maßnahmen zur Abfederung der Frankenstärke planen, von Preisanpassungen über Investitionsstopps bis hin zur Verlagerung der Produktion.

Frankenkredite plötzlich noch teurer

Aus österreichischer Sicht sitzt der „Schock“ aber an einer anderen Stelle: im Finanzmarkt. Denn Kreditnehmer haben sich in Österreich viele Jahre in Schweizer Franken verschuldet, um sich die niedrigen Zinsen des Nachbarlandes zunutze zu machen. Die Währungsaufwertung machte den Zinsvorteil für viele zunichte. Per 15. Jänner 2015 hatte kein Bankensystem so viele Franken-Kredite an die eigene Wirtschaft vergeben wie das österreichische: Haushalte, Unternehmen und Teile des Staatssektors wurden von dem Schock erwischt, etwa die Stadt Wien.

Wie sieht es jetzt ein Jahr nach dem Frankenschock mit dem ausstehenden Franken-Kreditvolumen in der Euro-Zone aus. Die Daten von der Europäischen Zentralbank zeigen, dass sich das Volumen in Österreich leicht abgesenkt hat, in anderen LändernDaten zu Frankreich werden nicht mehr ausgewiesen. war der Rückgang stärker. Ungarn etwa hat innerhalb von zwei Jahren das Franken-Kreditvolumen um 87 Prozent gesenkt, vor allem dank umstrittener Zwangskonvertierungen. In Polen ist das Franken-Portfolio nun das größte.

Doch auch das könnte sich bald ändern. In Polen will die neue Regierung gegen die Frankenschulden vorgehen, sehr zum Missfallen der internationalen Banken, die in dem Land tätig sind. Die Raiffeisen Bank International, die ihre polnische Tochter als Teil ihrer Restrukturierungsstrategie verkaufen will, wäre von einem Schritt der Polen analog zu den Maßnahmen in Ungarn wohl am stärksten betroffen. Auch in Kroatien hat die Politik Schritte eingeleitet, um die Kosten der Frankenkredite auf Banken umzuwälzen, was zuletzt auch die österreichische Abwicklungsgesellschaft der Hypo Alpe Adria getroffen hat.

In Österreich selbst war die Konvertierung vieler Frankenkredite im Vorjahr höchst umstritten. Denn Bankkunden ließen ihre Geldinstitute „Stop-Loss-Order“ für den Wechselkurs setzen. Weil aber der Franken so schnell gegen den Euro aufwertete (14 Prozent an einem Tag), rasselten sie durch die gesteckten Stop-Loss-Marken und die Kredite wurden für Kunden zu höchst unattraktiven Konditionen konvertiert. Dagegen laufen noch viele Klagen.

Auch ein Jahr danach sitzt der Frankenschock in Österreich noch tief, bei Kreditnehmern und Banken.


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