Imago/Olivier Douliery

Wettbewerbsfähigkeit

Amerikas gefährliches Spiel mit seinen Trümpfen

Meinung / von Thomas Fuster / 31.05.2016

Die USA sind nicht länger das wettbewerbsstärkste Land. Zu diesem Resultat kommt das Lausanner Managementinstitut IMD in seiner jüngsten Rangliste, in der die USA neu hinter Hongkong und der Schweiz zurückliegen. Zwar sind solche Rankings mit viel methodischer Unschärfe verbunden. Die diversen Einzelnoten liefern dennoch ein grobes Stärken-Schwächen-Profil.

Nach Maßgabe der makroökonomischen Leistung kann derzeit niemand mit den USA mithalten. Das Land hat rasch auf die Finanzkrise reagiert und liegt im ökonomischen Zyklus weit vor Europa. Seit über sechs Jahren wächst die Zahl der Arbeitsplätze.

Und auch geldpolitisch kann das Fed die Zügel wieder leicht straffen, was im Euro-Raum noch nirgends erkennbar ist. Mit dieser Divergenz und den damit verbundenen Kapitalströmen geht zwar eine volatilere Wechselkursentwicklung einher, was das IMD als Negativum verbucht. Dieses Phänomen ist letztlich aber dem Erfolg geschuldet.

Wenig überzeugend schneidet in den USA derweil der öffentliche Sektor ab, sei es mit Blick auf die Staatsfinanzen (Rang 49), die Firmenbesteuerung (57) oder das Bildungswesen (24). Als wenig wirtschaftsfreundlich gelten auch die Einwanderungsgesetze (59). Es verstärkt sich der Eindruck, dass das Land vor allem in jenen Bereichen brilliert, in denen Washington wenig Mitsprache hat.

In der Tat haben das epische Gezänk um den Haushalt, der Zwangsurlaub für Staatsbedienstete oder das Unvermögen der Politiker, bei der Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur endlich vorwärtszumachen, das Vertrauen in die wirtschaftspolitische Kompetenz Washingtons kaum gefördert.

Dasselbe gilt mit Blick auf den laufenden Wahlkampf, in dem illiberale Voten zur Handelspolitik und der Ruf nach einem interventionistischeren Staat besonders lauten Applaus erhalten. Die Rückkehr auf den Spitzenplatz im Wettbewerbs-Ranking wird den USA mit einer solchen Rezeptur kaum gelingen.