Anschlag auf Borussia Dortmund: Spekulation – einmal richtig pervers

von Christof Leisinger / vor 4 Tagen

Der mutmassliche Dortmund-Attentäter soll nach Erkenntnissen der Ermittler mit sogenannten Put-Optionen auf einen Wertverfall der Klubaktie spekuliert haben. Wie funktioniert eine solche perverse Spekulation?

Wer sein Geld mit waghalsigen Wertpapiergeschäften verdient, ist nicht gerade beliebt. Spätestens seit der Finanzkrise können viele Banker ein Lied davon singen, denn ihr Ansehen hat dramatisch gelitten. Richtig pervers wird es jedoch dann, wenn Geldgierige versuchen, Wertpapierkurse mit kriminellen Machenschaften zu manipulieren, um unter Verwendung aggressiver Finanzinstrumente davon zu profitieren.

Genau das scheint beim jüngsten Anschlag auf die Mannschaft von Borussia Dortmund (BVB) geschehen zu sein. Laut deutscher Bundesanwaltschaft hatte der Beschuldigte das Ziel, die Mitglieder des Teams des westfälischen Fussballclubs so stark zu verletzen, dass sie in den internationalen Spielen nicht mehr schlagkräftig wäre. Die negativen wirtschaftlichen Konsequenzen würden den Kurs der börsenkotierten Aktie des Vereins unter Druck bringen – und davon wollte der Täter aus rein materieller Gier profitieren.

Aus diesem Grund hat er am 11. April um genau 11.10 Uhr genau 15’000 Einheiten eines so genannten Put-Optionsscheins auf die Aktie des BVB zu einem Preis von € 0.19 das Stück erworben. Er hat also knapp 3000 € investiert, um vom erhofften Kurseinbruch der BVB-Aktie zu profitieren. Optionen sind hoch spekulative Finanzinstrumente, weil ihre Kurse überproportional stark auf Preisänderungen ihrer Referenzgrössen reagieren – in diesem Fall war dies eben die Aktie des BVB. Der Inhaber des gewählten Optionsscheins hatte das Recht, das BVB-Papier bis zum 16. Juni zu einem Preis von hohen € 5.20 zu verkaufen.

Tatsächlich hängt aber die Preisentwicklung des Optionsscheins nicht alleine vom Kurs des Basis-Titels (hier der BVB-Aktie) ab, sondern auch von anderen Faktoren, wie zum Beispiel der allgemeinen Verunsicherung. So ist der Preis des Optionsscheins nach dem Kauf aufgrund des Anschlags um bis zu 37% auf bis zu € 0.26 gestiegen, obwohl der zugrunde liegende Kurs der BVB-Aktie in dieser Zeit höchstens um 7% gefallen ist (Grafik unten).

Das heisst, die perverse Spekulation des Verdächtigen ist aufgegangen, obwohl der Anschlag auf die Mannschaft der Borussen Gott sei Dank deutlich glimpflicher ausgegangen ist, als im schlimmsten Fall möglich gewesen wäre.