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Nizza

Terror trifft den Tourismus mitten in der Hochsaison

von Christian Steiner / 16.07.2016

Im Sommer füllen sich die Strände in Südfrankreich und die zweitgrößte Tourimusregion in Europa läuft auf Hochtoren. Was würde ein Einbruch für die Côte d’Azur bedeuten?

Der Anschlag in Nizza trifft den dortigen Tourismus mitten in der Hochsaison vom Juli und August. Über 30 Millionen sonnenhungrige Besucher pro Jahr können dem Süden Frankreichs nicht widerstehen. Damit ist die Region Provence-Alpes-Côte d’Azur nach dem spanischen Katalonien der zweitgrösste Anbieter von Campingplätzen und Hotelbetten in Europa.

Doch die Schlafsäcke, Betten und Liegestühle werden grösstenteils von Franzosen selber belegt. Über 80 Prozent der Gäste stammen aus der Republik (vgl. Grafik). Damit droht die Region gerade bei zahlungskräftigen Besuchergruppen aus den Wachstumsmärkten von China und Indien in Rückstand zu geraten. Dies könnte auch daran liegen, dass die von vielen asiatischen Touristen bevorzugten Rundreisen nicht zur Kernkompetenz der südfranzösischen Gastgeber gehören. Man ist am Meer unten auf Erholung spezialisiert. Laut der Statistik der dortigen Tourismusorganisation bleiben die Gäste durchschnittlich 7,2 Tage. Dabei werden pro Tag und Person im Mittel 64 Euro ausgegeben. Ausländische Touristen sind dabei viel spendabler als die Franzosen: Ihr Budget ist fast doppelt so hoch.

Durch diese Ausgaben entsteht eine für den Süden von Frankreich essenzielle Wertschöpfung. Im Jahr 2014 wurden 14 Milliarden Euro erwirtschaftet. Dies entspricht ungefähr einem Anteil von 11 Prozent des Bruttoinlandproduktes der Region. Den grössten Teil der Aufwendungen der Touristen werden in Hotels und Restaurants mit 8,6 Milliarden Euro ausgegeben. Fast 150 000 Personen sind im Tourismus beschäftigt. In der Hochsaison im August sogar noch einige zehntausend mehr.

Selbst Schweizer, die „zu Hause“ auf ein hervorragendes touristisches Angebot zählen können, reisen in Scharen nach Frankreich. Laut dem Reiseanbieter Hotelplan befinden sich derzeit 640 Gäste von Hotelplan in Nizza und Umgebung. Auch Tui Schweiz hat 16 Gäste im Süden von Frankreich. Beide Reiseanbieter zeigen sich kulant. Obwohl derzeit das Schweizerische Departement des Äusseren (EDA) nicht von Reisen nach Südfrankreich abrät, bieten beide Reisebüros kostenlose Umbuchungen und Stornierungen an. Auch Sprachschüler aus der Schweiz gehen gerne nach Südfrankreich. Alleine mit dem Sprachreisen-Anbieter ESL sind derzeit rund 70 Deutschschweizer in Nizza.