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Apple und Intel: GPU, TPU, NPU, ASIC, FPGA usw.

Meinung / von Stefan Betschon / 16.08.2016

Die Ausserkraftsetzung des Moore’schen Gesetzes und die Entschleunigung bei der Weiterentwicklung der Allzweck-CPU haben in der Halbleiterbranche eine Flut von neuen Ideen entstehen lassen.

Es ist Stau. Stillstand. Nichts geht mehr, keine Bewegung. Es ist Stau – Innovationsstau.

Seit es ein Computer-Business gibt, seit den 1950er Jahren, beherrschte uns ein Geschwindigkeitsrausch. Die Rechner wurden sehr schnell schneller. Wir haben uns an das schnelle Schnellerwerden so sehr gewöhnt, dass wir es als ein Naturgesetz wahrgenommen haben.

Doch dieses Gesetz – das Mooresche Gesetz – gilt nicht mehr. Der Fortschritt ist ins Stocken geraten. Wer jetzt einen neuen Computer kaufen möchte, muss sich sagen lassen, dass es besser wäre, zu warten. Laut dem amerikanischen MacRumours Buying Guide, der auf der Basis von früheren Produktlebenszyklen die Ankunft neuer Macintosh-Computer und iOS-Geräte voraussagt, sind bei fast allen Apple-Hardware-Produkten Neuerungen überfällig. Bei 12 von 17 Produkten heisst es „Don’t buy / Caution“. Apple verkauft teilweise Computer, deren Ausstattung sich seit drei oder sogar vier Jahren nicht mehr verändert hat. Warum wartet Apple mit der Überarbeitung dieser Computer so lange zu? Weil Intel für eine Auffrischung keine guten Gründe anzubieten hat.

(Bild: imago stock&people )

Bei Intel gehen die Geschäfte nicht gut, die jüngsten Quartalszahlen sind enttäuschend. Viele Journalisten glauben darauf hinweisen zu müssen, dass Intel das boomende Geschäft mit Smartphones und Tablet-Computern verpasst habe. Doch dieser Hinweis ist nicht geeignet, die Herausforderungen, denen sich Intel gegenübersieht, zu benennen. Der Frontverlauf trennt nicht Tischrechner und Mobilcomputer, in dieser Auseinandersetzung stehen sich nicht leistungsfähige und stromsparende Prozessoren gegenüber. Vielmehr sehen sich die leistungsoptimierten, für einen breiten Einsatzbereich entwickelten Zentraleinheiten von Intel herausgefordert durch eine Vielzahl von spezialisierten Chips.

Der Frontverlauf trennt nicht Tischrechner und Mobilcomputer. Vielmehr sehen sich die leistungsoptimierten, für einen breiten Einsatzbereich entwickelten Zentraleinheiten von Intel herausgefordert durch eine Vielzahl von spezialisierten Chips.

Intel hat sich seit je dafür eingesetzt, der Central Processing Unit (CPU) immer mehr Funktionen zuzuweisen. Weil Intel bei der Entwicklung neuer Fertigungsverfahren, bei der Miniaturisierung, der Konkurrenz voraus war, konnte die Allzweck-CPU die Geschwindigkeitsvorteile der Spezial-Chips stets wettmachen. Das gelingt nun aber je länger, je weniger. Rund um die CPU gibt es einen ausgelassenen Tanz der Buchstaben: GPU, TPU, NPU, ASIC, FPGA. Einige dieser Halbleiterbausteine – Tensor Processing Unit (Google), Neuro Processing Unit (Qualcomm) – sind neu, andere – Field Programmable Gate Array (FPGA) – sind schon uralt, erleben aber gegenwärtig eine Renaissance.

Intel war offenbar so sehr darauf fokussiert, immer mehr Transistoren auf immer kleineren Flächen unterzubringen, dass man vom Bedeutungsverlust der Allzweck-CPU überrascht wurde. Firmenübernahmen sollen den Anschluss an die Entwicklung wiederherstellen: Vor einer Woche schluckte Intel Nervana, eine Jungfirma, die Neuroprozessoren angekündigt hat. Ende vergangenen Jahres kaufte Intel den FPGA-Hersteller Altera. Intel hat angekündigt, CPU und FPGA zu einem hybriden Allzweck-Spezial-Chip zu vereinen.

Intel hat diese Woche Hardware-Entwickler nach San Francisco eingeladen, um ihnen anlässlich des Intel Developer Forum die Zukunftspläne der Firma zu erläutern. Die Firma – und mit ihr die Computerbranche – steht an einer Wegscheide.

Die Ausserkraftsetzung des Mooreschen Gesetzes und die Entschleunigung bei der Weiterentwicklung der Allzweck-CPU haben in der Halbleiterbranche eine Flut von neuen Ideen entstehen lassen. Bald wird man von Apple wieder einen Mobilcomputer kaufen können, der sich technisch deutlich von den Vorgängermodellen absetzt.