Arbeitsmarkt

Arbeitslosigkeit im Euro-Raum sinkt: Spanien erstmals unter 20 Prozent

von René Höltschi / 01.07.2016

Die Arbeitslosenquote des Euro-Raums ist im Mai auf den tiefsten Wert seit Juli 2011 gesunken. Doch nun lastet die Brexit-Unsicherheit auch auf den Arbeitsmärkten.

Im Euro-Raum ist die saisonbereinigte Arbeitslosenquote von 10,2 Prozent im April auf 10,1 Prozent im Mai gesunken. Damit erreichte sie den tiefsten Stand seit Juli 2011, wie das EU-Statistikamt Eurostat am Freitag mitteilte. Allerdings liegt sie noch immer weit über den 2008 kurz vor dem Ausbruch der Finanzkrise erreichten Werten von gut sieben Prozent, da sich die schleppende wirtschaftliche Erholung nur langsam auf den Arbeitsmärkten niederschlägt. Zudem könnte sich der Abbau in nächster Zeit gegenüber den bisherigen Erwartungen insofern verlangsamen, als viele Experten eine Dämpfung des Wirtschaftswachstums in Europa infolge der Unsicherheit im Gefolge des britischen Votums für einen Austritt aus der EU (Brexit) erwarten.

Tschechien hat die Nase vorn

In der ganzen EU (EU-28) ist die Arbeitslosenquote von 8,7 Prozent im April auf 8,6 Prozent im Mai gesunken. EU-weit waren laut Schätzungen von Eurostat im Mai 21,1 Mio. Menschen arbeitslos, davon 16,3 Mio. im Euro-Raum. Gegenüber April ist die Zahl in der EU-28 um 96.000 und in der Euro-Zone um 112.000 Personen gesunken.

Nach wie vor enorm sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten. Am besten stand im Berichtsmonat Tschechien mit einer Quote von nur 4,0 Prozent da, gefolgt von Malta mit 4,1 Prozent und Deutschland mit 4,2 Prozent. Auch Großbritannien war mit 5,0 Prozent (März, keine neuern Daten verfügbar) an vierter Stelle relativ gut platziert. Frankreich lag im Mai mit 9,9 Prozent knapp unter dem Wert der ganzen Euro-Zone, Italien mit 11,5 Prozent klar darüber.

Am andern Ende des Spektrums lagen im Mai Griechenland mit 24,1 Prozent (März) und Spanien mit 19,8 Prozent. Immerhin sank die Arbeitslosenquote in Spanien damit erstmals seit sechs Jahren wieder unter 20 Prozent. Zudem gehört das Land mit einer Senkung der Quote um 2,7 Prozentpunkte seit Mai 2015 zu den Mitgliedstaaten mit dem größten Rückgang über ein Jahr betrachtet.

Österreich tanzt aus der Reihe

Der EU-weit einzige Staat mit einem Anstieg gegenüber Mai 2015 war der einstige Musterschüler Österreich, wo die Arbeitslosenquote angesichts struktureller Schwächen auf zuletzt 6,1 Prozent stieg. In Lettland stagnierte sie über ein Jahr betrachtet, in allen anderen 26 EU-Staaten ist sie gesunken.