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Arbeitsmarkt für Ausländer: Frauen und Flüchtlinge haben das größte Problem

von Moritz Moser / 15.06.2016

Die Arbeitslosigkeit ist weiterhin hoch, davon sind besonders Wenigqualifizierte und Ausländer betroffen. Die Statistik zur Ausländerbeschäftigung zeigt, dass vor allem Frauen und Flüchtlinge ein Problem haben. Das liegt auch an überkommenen Rollenbildern.

Die Russinnen sind eine Ausnahme unter den Arbeitsmigranten in Österreich: Bei den größten Gruppen fremder Staatsangehöriger, die in Österreich beschäftigt werden, dominieren sonst überall die Männer. Nur unter den Russen ist die Beschäftigungsquote der Frauen höher. 3.222 russische Frauen arbeiten in Österreich, bei ihren Landsmännern sind es über 900 weniger. Das geht aus der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage des Team Stronach zur Beschäftigung von Männern und Frauen mit nichtösterreichischer Staatsbürgerschaft hervor.

In der Statistik werden auch noch Arbeitnehmer geführt, die als jugoslawische oder tschechoslowakische Staatsbürger angemeldet und seither nicht auf einen der Nachfolgestaaten umgemeldet wurden. Die Zahl der Arbeitnehmer aus diesen Staaten dürfte also grundsätzlich höher sein.

Angeführt wird die Statistik der Ausländerbeschäftigung allerdings von Deutschen, Ungarn und Türken. In allen drei Gruppen gibt es einen deutlichen Männerüberhang, was einerseits auf klassische Geschlechterrollen, andererseits auf branchenspezifische Eigenheiten zurückgeht. Schließlich ist in einigen Branchen, wie beispielsweise am Bau, die Männerdichte deutlich höher.

Weibliche berufliche Mobilität wird auch durch herkömmliche Familienbilder erschwert. Eine gewisse Ausnahme bilden Arbeitsmigranten aus der Slowakei und Rumänien, wobei hier der hohe Frauenanteil auf Branchen wie den Sozial- und Pflegesektor zurückzuführen ist.

Unter den Migrantengruppen mit der höchsten Beschäftigtenzahl ist die Arbeitslosigkeit bei Serben und Rumänen besonders hoch. Sie liegt dort bei 38,5 beziehungsweise 36,6 Prozent. Danach folgen die Türken mit einer Arbeitslosenquote von 19,8 Prozent. Das liegt auch am durchschnittlich niedrigen Ausbildungsgrad dieser Zuwanderer, die sie im erhöhten Maß anfällig für Arbeitslosigkeit machen und Weiterbildungen oft erschweren.

Unter dem Österreich-Durchschnitt von 8,6 Prozent liegt hingegen die Beschäftigungslosigkeit bei den in Österreich lebenden Deutschen, Ungarn, Tschechen und Slowenen.

Bei Menschengruppen mit einem hohen Anteil an humanitären Aufenthaltsgründen ist die Arbeitslosigkeit massiv höher als bei den unter den Arbeitsmigranten am stärksten vertretenen Nationalitäten. Die Statistik erfasst dabei ohnehin nur diejenigen, die in Österreich über eine Arbeitserlaubnis verfügen. Die Beschäftigungslosigkeit bei Staatsangehörigen aus dem Niger liegt dennoch bei 82, bei Syrern bei 78,5 Prozent.

Hürden für den Einstieg in den Arbeitsmarkt sind Qualifikation, Spracherwerb und der Mangel an Arbeitsplätzen im Niedriglohnsektor. Gleichzeitig dürften auch die mangelnde gesellschaftliche Vernetzung und Ressentiments gegen bestimmte Migrantengruppen deren Integration in die heimische Beschäftigungswelt hemmen.