Denise Balibouse / Reuters

Arianna Huffington zieht weiter: In elf Jahren zur globalen Medienmarke

von Rainer Stadler / 11.08.2016

Die Internet-Pionierin Arianna Huffington will künftig Anti-Stress-Angebote entwickeln. Sie verlässt die „Huffington Post“, die sie in kurzer Zeit zum internationalen Medium aufgebaut hat.

Sie hat die Chancen des Online-Zeitalters wie kaum jemand genutzt. Bloss wenige Jahre brauchte sie, um ihren eigenen Namen zum globalen Begriff zu prägen, der eine neue, im Geist des digitalen Unternehmertums geprägte Medienkultur repräsentiert. Im Mai 2005 gründete Arianna Huffington die „Huffington Post“. Ihr zur Seite standen damals zwei weitere Internet-Pioniere, der Investor Kenneth Lerer und der spätere Buzzfeed-Gründer Jonah Peretti. Im Gegensatz zu den vergleichsweise monolithischen Zeitungshäusern baute sie ein Medium auf, das vom vielstimmigen Gespräch von Bloggern und Kommentatoren zehrte, die in grosser Zahl für Gotteslohn auf der Plattform mitmachten. Entsprechend murrten sie, als die Gründer im Jahr 2011 die „Huffington Post“ für gutes Geld, 315 Mio. $, an AOL verkauften. Das schreibende Fussvolk ging leer aus.

Nach dem Verkauf arbeitete die gebürtige Griechin als Präsidentin und Chefredaktorin der Kommunikationsplattform weiter. Sie verfolgte nun eine globale Strategie. Regionale Ableger entstanden, allerdings nicht in Konkurrenz, sondern in Kooperation mit etablierten Medienhäusern, welche angesichts des digitalen Aufsteigers zur Einsicht kamen: Wen man nicht besiegen kann, den muss man vereinnahmen. In Frankreich kooperiert „Huffington“ mit „Le Monde“, in Deutschland mit der Burda-Tochter Tomorrow Focus, in Spanien mit „El País“ und in Italien mit der Espresso-Gruppe. Inzwischen gibt es 15 regionale Ausgaben, welche je nach Land eine eigene publizistische Färbung entwickelten; ihr Angebot ist dabei komplementär zu jenem der jeweiligen Mitbesitzer.

Die Verankerung als globales Medium scheint gelungen, nun zieht die 66-Jährige weiter. Sie will eine Firma (Thrive Global) aufbauen, welche ausgerechnet die von der digitalen Revolution aufgewühlten oder beschädigten Zeitgenossen mit Gesundheits- und Anti-Stress-Therapien heilen will.