REUTERS/Philimon Bulawayo

Randnotiz

Auch die Sprache wird von der Inflation entwertet

von Lukas Sustala / 05.11.2015

Diesen Morgen flatterte ein Alarm in viele Mailboxen dieses Landes. „472 Mio. Euro OMV-Quartalsverlust wegen avisierter Mega-Abschreibung“ titelte die APA und mit ihr natürlich viele Tageszeitungen und andere Medien. „Mega“ ist aber eine unscharfe sprachliche Verniedlichung. Denn „mega“ steht als Maßzahl für die Million. Der Öl- und Gaskonzern OMV aber hat im dritten Quartal knapp unter 1,1 Milliarden Euro abgeschrieben, wegen des niedrigen Ölpreises.

Das letzte Mal, als ich nachgesehen habe, stand aber „Giga“ für alles im Milliardenbereich. Nun klingt „Giga-Abschreibung“ natürlich auch eher intelligenzbefreit, und „mega“ könnte man mit Bezug auf das Griechische auch schlicht als „groß“ übersetzen. Aber dass man aus Titeln mit „mega“ irgendwelche Schlussfolgerungen ziehen könnte, wie groß ein Verlust, ein Gewinn, eine Abschreibung oder ein Schaden wirklich ist, ist lange her.

Sprache kann mit den wirtschaftlichen Entwicklungen oft nicht mithalten – und dabei spielt natürlich die Inflation auch eine Rolle. Seit 1966 haben sich die Preise gemessen am Verbraucherpreisindex verfünffacht. Was damals eine „Mega-Abschreibung“ von im doppelten Sinne fiktiven 300 Millionen Euro gewesen wäre, ist in heutiger Währung eben eine solche von 1,5 Milliarden Euro. Dazu kommt noch, dass in den vergangenen 50 Jahren für viele Unternehmen die Zeichen auf Wachstum und Expansion standen. Investitionspläne, die vor 20 Jahren noch im Bereich einiger Millionen lagen, machen heute eben schon Milliarden aus. Alleine ein Blick auf die OMV-Bilanz zeigt, dass sich die Milliarde als ultimativer Ausdruck von „echt viel Geld“ auch relativiert. Die gesamten Aktiva haben sich als Summe der Bilanz in den vergangenen Jahren drastisch – man könnte fast sagen „mega“ – erhöht.