Aufseher verschärfen Regeln für Großbanken

von Lukas Sustala / 11.11.2014

Die globalen Großbanken als größten Risikoherde im Finanzsystem sollen künftig auch Verluste von bis zu 20% verkraften, Steuerzahler sollen nicht mehr zur Kasse gebeten werden.

Der frisch wiedergewählte Vorsitzende des Financial Stability Board (FSB), Mark Carney, hat am Montag in Basel einen Vorschlag präsentiert, um die Problematik des „too big to fail“Als „Too big to fail“ gelten Banken, deren Pleite das Finanzsystem erschüttern würden. zu entschärfen. Unter anderem sollen globale Grossbanken künftig ein Verlustpolster („total loss-absorbing capacity“, TLAC) von 16% bis 20% der risikogewichteten Aktiva halten. Laut Carney könnte mit den neuen Regeln verhindert werden, dass Grossbanken in der nächsten Krise erneut mit Steuergeldern gestützt werden müssen.

Ergänzung zu „Basel III“

Die neuen Verlustpuffer gelten in Ergänzung zu den vom Basler Komitee für Bankenaufsicht erarbeiteten Kapitalvorschriften „Basel III“. Dabei gilt eine etwas komplizierte Regelung: So kann jenes Eigenkapital, das für die Erfüllung der Mindestkapitalvorschriften gehalten wird, der TLAC angerechnet werden. Hingegen darf das Eigenkapital, das für die in „Basel III“ vorgesehenen Kapitalpuffer gehalten wird, nicht mitberücksichtigt werden. Den nationalen Regulatoren soll es schliesslich freistehen, für die Banken in ihrem Zuständigkeitsbereich noch strengere Vorschriften bezüglich der Höhe der Kapitalpuffer zu beschliessen. Betroffen von den neuen Regulierungen sind 30 Grossbanken, unter ihnen die UBS und die Credit Suisse. Finanzinstitute mit Sitz in einem Schwellenland sollen vorderhand nicht den neuen Regulierungen unterworfen sein.

Spezialfall China

Dies betrifft die drei als systemrelevant erachteten chinesischen Finanzinstitute Agricultural Bank of China, Bank of China und Industrial and Commercial Bank of China (ICBC). Mit den vorgeschlagenen Verlustpolstern sollen künftig systemrelevante Banken im Krisenfall abgewickelt werden können, ohne dass dadurch die Systemstabilität gefährdet wird. Das FSB schlägt zudem vor, dass sich die betroffenen Finanzinstitute selber in Abwicklungseinheiten unterteilen. Die regulatorischen Anforderungen an die Verlustpolster würden dann für jede einzelne Einheit gelten. Besondere Regeln sollen verhindern, dass nationale Interessen eine geregelte Abwicklung bedeutsamer ausländischer Tochtergesellschaften einer betroffenen Bank verunmöglichen. So betont das FSB, dass genügend finanzielle Ressourcen im jeweiligen Land vorhanden sein müssen, um Zweigniederlassungen individuell liquidieren zu können.

Endgültige Version erst 2015

Bei den am Montag veröffentlichten Zahlen handelt es sich um einen ersten Vorschlag des FSB. Damit hat das internationale Gremium den Auftrag erfüllt, den die Regierungen der wichtigsten Wirtschaftsnationen (G-20) vor einem Jahr in St. Petersburg erteilt hatten. In einem nächsten Schritt wird das FSB die vorgeschlagenen Kapitalpuffer weiter analysieren. Zudem können bis Februar die betroffenen Finanzinstitute ihre Bedenken und Anregungen einbringen. Vor dem Hintergrund der verschärften Vorschriften ist zu vermuten, dass die Banken sich nicht nur an der weiteren Ausarbeitung beteiligen, sondern auch auf politischer Ebene für ihre Anliegen einsetzen werden. Am G-20-Gipfel vom kommenden Wochenende in Brisbane wird dieses Thema wohl weit oben auf der Agenda stehen. Der definitive Beschluss soll dann 2015 am darauffolgenden Treffen der 20 führenden Wirtschaftsnationen fallen.

Liste der global systemrelevanten Institute

Folgende Institute gelten derzeit für die FSB als global systemrelevant, sie fallen in vier verschiedene Kategorien und müssen dementsprechend stärker mit Eigenkapital ausgestattet sein:

 Kategorie Banken
 Typ 4
(2,5% mehr Puffer)
HSBC
JP Morgan Chase
 Typ 3
(2% mehr Puffer)
Barclays
BNP Paribas
Citigroup
Deutsche Bank
 Typ 2
(1,5% mehr Puffer)
Bank of America
Credit Suisse
Goldman Sachs
Mitsubishi UFJ FG
Morgan Stanley
RBS
Typ 1
(1% mehr Puffer)
Agricultural Bank of China
Bank of China
Bank of New York Mellon
BBVA
Groupe BPCE
Group Crédit Agricole
ICBC
ING Bank
Mizuho FG
Nordea
Santander
Société Générale
Standard Chartered
State Street
Sumitomo Mitsui FG
UBS
Unicredit Group
Wells Fargo

(Jürg Müller, NZZ.ch)