REUTERS/Eric Vidal

Walkthrough

Ausverhandelt, ausgehandelt

von Lukas Sustala / 02.09.2016

Die Exportnation Österreich macht sich zur Speerspitze gegen Freihandelsabkommen. Ein Nachruf auf einen großen Ökonomen. Die Börsianer setzen auf Risiko. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

CETA in die Warteschleife? Kern ist auf den Zug der Abschotter aufgesprungen (NZZ.at): Nein zu TTIP und auch Nein zu CETA in der aktuellen Form. Ein SPÖ-Mitgliedervotum soll die Haltung zu dem ausverhandelten Handelsabkommen mit Kanada klären, wenige Wochen bevor es unterschrieben werden sollte. Auch wenn diese Position ökonomisch nicht sinnvoll ist, politisch hat die Ablehnung durchaus etwas für sich (NZZ.at). Mancher verwendet gar das P-Wort und nennt den Bundeskanzler mit seinem „Neuen Stil“ einen Populisten (Der Standard).

Warum Banken wachsen. In Alpbach ist dieser Tage auch der jahrelange Versuch der Regulierung des Finanzsektors Thema gewesen. Tatsächlich ertönt kaum ein Lamento so häufig wie die Aussage, dass die Regulatoren das normale Bankgeschäft mit immer strengeren Regeln verunmöglichen. Doch vielleicht ist der Grund für das schwache Wachstum im österreichischen Banking eh woanders zu suchen. In einem lesenswerten, langen Interview mit dem Chef einer der größten Banken der Welt, Brian Moynihan von Bank of America, wird auch den Gründen für die unterschiedliche Lage der Geldinstitute in Europa und den USA nachgespürt. Moynihan betont, dass die Geldhäuser „Spiegelbild des Wachstums“ seien: „Die USA wachsen und wir mit ihnen.“ (NZZ.at)

Ein Großer ist von uns gegangen. Der Ökonom, Nobelpreisträger und „Pate“ der modernen Verhaltensökonomie Reinhard Selten ist tot: Ein Nachruf (NZZ.at).

Alles auf Risiko. Sie werden es vielleicht nicht glauben, weil es um den Ruf der weltwirtschaftlichen Lage gerade nicht sehr gut bestellt ist. Aber die Analysen des britischen Analysehauses Creditsights zeigen: „Risk maximization remains the winner.“ An den Finanzmärkten hat seit Jahresbeginn alles gut funktioniert, wo möglichst viel Risiko draufsteht. Das könnte laut den Analysten eine „Party sein, die böse endet“, weil die US-Notenbank an sich gerade damit beschäftigt ist, die Zinsen weiter anzuheben. Wenn Sie sich die bunte Tabelle zu den Anleihenmärkten (aus US-Dollar-Sicht) ansehen, stellen Sie fest: 2016 war bisher ohne Zweifel Jahr des Risikos – Schwellenländer und Hochzinsanleihen waren gefragt. In Europa ist von steigenden Zinsen aktuell aber nichts zu sehen: Und so sinkt in Österreich der Garantiezins für Lebensversicherungen wohl bald weiter: Von 1 auf 0,5% (Der Standard).

Anleihen-Anlageklassen im Vergleich.
Credits: Creditsights

Apropos gute Stimmung: Die jüngsten Zahlen zur britischen Wirtschaft sind deutlich besser als erwartet. Der Brexit scheint die britische Wirtschaft nicht so schlimm getroffen zu haben wie befürchtet.

Nach dem Apple-Urteil. 13 Milliarden Euro verlangt die EU-Kommission von Apple, und der US-Konzern könnte nur der erste in einer Reihe sein (NZZ.at). Grund sind die unrechtmäßigen Steuerbegünstigungen, die der US-Konzern von Irland erhalten hat. Der Elektronik-Gigant wehrt sich noch, freilich. Aber auch wenn Europa im zweifelsohne wichtigen Kampf gegen Steuerdumping einen Sieg davongetragen hat, muss sich die EU langsam fragen, wieso sie, wenn es darum geht, die Rahmenbedingungen für langfristiges Wachstum zu schaffen, so viel weniger zustande bekommt (NZZ.at).

Die Arbeiterkammer und der „Wohnungsmarkt“. Die Arbeiterkammer schlägt in einer neuen Studie zum Mietmarkt Alarm: Ein Vergleich zwischen Wien und Berlin zeige, dass der freie Markt beim Wohnbau versage. Für Berliner Ökonomen ist dieser Befund jedoch nicht nachvollziehbar. Berlin hat hingegen in den Jahren der Bevölkerungsstagnation wohnbaupolitisch ziemlich geschlafen (NZZ.at).

Ungemütliches aus dem Raiffeisen-Reich. Die Raiffeisenlandesbanken Steiermark und Oberösterreich mussten als Eigentümerinnen der Raiffeisen Zentralbank empfindliche Abwertungen vornehmen. Die im Vergleich niedrige Eigenkapitalausstattung fordert ihren Tribut und erhöht den Druck für den Umbau des Bankensektors (NZZ.at).

Inspirationen – Food for thought

Mit den Robotern rennen (NZZ.at).

Friedrich August Hayek und die Stolpersteine im System Österreich (NZZ.at).

North Stream: Gazprom zwischen allen Röhren (NZZ.at).

Lesestoff fürs Wochenende: Die EU nach dem Brexit (Bruegel).