Ein 40-Milliarden-Euro-Fragezeichen für südeuropäische Banken

von Lukas Sustala / 07.04.2015

Die EU-Kommission beschäftigt sich mit einer wackeligen Form des Eigenkapitals für südeuropäische Banken. Ein Hochfrequenzhändler geht höchst altmodisch an die Börse und US-Logistiker FedEx expandiert um 4,4 Milliarden Euro nach Europa. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Illegale Bankenhilfen in Südeuropa? Südeuropäische Banken, von Italien bis Griechenland, droht eine Ermittlung der EU-Kommission über eine möglicherweise kreative Form der illegalen staatlichen Beihilfe, berichtet die Financial Times (Paywall). Weil die Banken in der Vergangenheit hohe Verluste angehäuft haben, haben sie auch dementsprechend hohe „Deferred Tax Assets“, also latente Steuerforderungen, in ihren Büchern stehen. Ein erheblicher Teil davon hängt aber auch davon ab, dass die Banken zukünftig Gewinn machen.

Laut Daten der Europäischen Zentralbank machen diese mehr als 40 Milliarden Euro des Kernkapitals der Banken in Griechenland, Portugal, Italien und Spanien aus (ab Seite 136 hier). Egal ob die Kommission die Causa aufgreift oder am Ende wirklich feststellt, dass es sich hier um illegale Beihilfen handelt: Die Diskussion zeigt, dass weiter nicht alles im Krisenfall als Eigenkapital herhalten kann, was europäische Banken derzeit als solches verbucht haben.

Turbohändler drängt an die Börse. Der Hochfrequenzhändler Virtu drängt an die Börse und will sich bis zu 314 Millionen Dollar mit einem Börsengang holen. Im Vorjahr hat der Hochfrequenzhändler, der sein Geld mit dem Kauf und Verkauf von Wertpapieren im Millisekundenintervall verdient, den geplanten IPO abgesagt. Zu dieser Zeit schlug das Buch Flash Boys von Michael Lewis hohe Wellen und der Hochfrequenzhandel wurde von Öffentlichkeit und Aufsicht unter die Lupe genommen. Anlässlich des Börsengangs lohnt ein Blick auf Daten, die Virtu für die Kapitalmarkt-Prospekte veröffentlicht hat. Demnach hat der Turbohändler an nur einem Tag in fünf Jahren Geld an der Börse verloren:

Der Turbohandel, ein fast verlustfreies Geschäft?
Der Turbohandel, ein fast verlustfreies Geschäft?

Frachtübernahme durch FedEx. Eine milliardenschwere Logistikübernahme zeichnet sich ab. Der US-Konzern FedEx bietet rund 4,4 Milliarden Euro für den angeschlagenen niederländischen Logistiker TNT. Damit baut der US-Konzern seine Präsenz in Europa aus. FedEx will die Übernahme im ersten Halbjahr 2016 abschließen.

Raiffeisen will sparen statt umbauen. RBI-Chef Karl Sevelda schwört die Osteuropabanker unter dem Giebelkreuz auf weitere Einsparungen ein:

Die RBI ist bis zur Krise sehr stark gewachsen, mit der Weisheit des Rückblicks gesprochen: zu stark. Wir wollen unsere Kosten bis 2017 noch einmal um 600 Mio. Euro reduzieren und so zwischen Ende 2013 und 2017 rund 900 Mio. Euro einsparen.

In dem langen Standard-Interview geht er auch auf den von Analysten eingeforderten Sektorumbau ein, um die Raiffeisengruppe bei der Aufnahme von neuem Kapital flexibler zu machen. Einen Sektorumbau hält er für unwahrscheinlich, vor allem die Zusammenlegung von Landesbanken. Ob mit Sparen und Verkäufen allein die Kernkapitalquote auf über zwölf Prozent steigen wird, muss Sevelda in den kommenden zwei Jahren beweisen.

278,7 Milliarden Euro Hoffnung. Griechenland beziffert die Reparationsforderungen gegen Deutschland erstmals und kommt auf 278,7 Milliarden Euro. Die 322 Milliarden Euro griechischer Staatsschulden scheinen damit deutlich tragbarer zu sein.

Bestehen US-Unternehmen aus dunkler Materie? Eine interessante Debatte zu der Bedeutung von immateriellen Vermögenswerten für US-Unternehmen: Ein immer größerer Anteil des Marktwerts wird durch immaterielle Güter wie Patente gerechtfertigt.

Nach den Feiertagen auch noch aktuell: Ben Bernanke bloggt weiter und kritisiert die deutschen Handelsüberschüsse als Teil des massiven Ungleichgewichts in der Eurozone. Und der US-Arbeitsmarkt hat ziemlich dramatisch enttäuscht, weil Unternehmen deutlich weniger Jobs geschaffen haben als erwartet