APA/ROBERT JAEGER

Walkthrough

Bank Austria Reloaded statt Bank Aus

von Lukas Sustala / 15.12.2015

Die Bank Austria muss 300 Millionen Euro einsparen, schließt Filialen und ändert ihr Pensionsrecht. Auf dem Anleihenmarkt gibt es schon erste Entzugserscheinungen des billigen Geldes, obwohl die Zinsen noch gar nicht angehoben wurden. Und etablierte Banker machen der Wall Street das Leben schwer. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

Sie können sich hier für den täglichen Walkthrough als E-Mail-Newsletter anmelden.

Die Bank Austria bleibt bestehen. Der Verkauf des in der Öffentlichkeit besonders sichtbaren Privatkundengeschäfts ist vom Tisch, Bankchef Willibald Cernko hat heute die Marschrichtung für die Einsparungen bei der österreichischen Großbank vorgegeben. 300 Millionen Euro will die Bank im Vergleich zu 2014 in Österreich einsparen, um 2018 wieder profitabel zu werden: Das Projekt Bank Austria Reloaded wurde dafür aufgesetzt (NZZ.at). Rund 70 Filialen werden geschlossen, 3.300 Bank-Austria-Mitarbeiter in das allgemeine staatliche Pensionssystem überführt, auch in der IT und im Backoffice wird gespart. Cernko gab sich am Dienstag auch kämpferisch. Dass das Osteuropageschäft gänzlich nach Mailand abwandere, sei keine ausgemachte Sache. Man könnte nicht einfach „den Stecker ziehen bei etwas, was zweieinhalb Jahrzehnte gewachsen ist“. Auf die Journalistenfrage „Was, wenn die Einsparungen nicht reichen?“, sagte Cernko: „Es wird funktionieren.“

Die Arbeiterkammer auf den Spuren von Yanis Varoufakis. Lassen Sie uns über die Eurozone reden, aber bitte ganz grundsätzlich. Die AK lud am Montag zu einem Termin über die Zukunft der Eurozone, dabei ging es oft sehr grundsätzlich und wenig praxisnah zu (NZZ.at).

Wo war die Ökonomie beim Klimagipfel? Ökonomische Überlegungen spielten bei der Konferenz in Paris eine geringe Rolle (NZZ.at). Für Volkswirte ist aber klar, dass sich ehrgeizige Klimaziele nur erreichen lassen, wenn man Marktlösungen nutzt.

Das Ende des billigen Geldes? Morgen könnte es so weit sein, dass die US-Notenbank erstmals seit 2006 die Zinsen anhebt. Damit rechnen jedenfalls die meisten Ökonomen und Analysten. Fraglich ist allerdings, wie es danach weitergeht. So schnell wie ab 2004 dürften die Zinsen wohl eher nicht steigen (NYTimes). Vom vielfach zitierten Ende des billigen Geldes sind wir jedenfalls noch weit entfernt.

Das heißt aber noch nicht, dass die erste Zinsanhebung seit 2006 nicht mit einem Schock verknüpft sein kann. So jedenfalls lässt sich der kleine Crash bei den Hochzinsanleihen verstehen, die einen deutlichen Ausverkauf hinter sich haben. Wobei hier auch der Rutsch des Ölpreises eine große Rolle spielt (NZZ.at).

DER deutsche Ökonom tritt ab. Hans-Werner Sinn tritt seinen Gang in den Ruhestand an. Der wortgewaltige, bald 68-jährige Ökonom hat seine Abschiedsveranstaltung vor tausend Zuhörern gehalten (SZ). Doch er war vor allem auch als Professor und Forscher einflussreich. „Insgesamt 82 Semester hat er an der Universität gelehrt, davon 61 in München, viele tausende Studenten sind von ihm in die Geheimnisse der Volkswirtschaftslehre eingeführt worden. Ja, Hans-Werner Sinn ist im Hauptberuf Wirtschafts-Professor. Das hat der eine oder andere angesichts seiner unzähligen Auftritte in Fernseh-Talk-Shows vielleicht schon vergessen.“

Die Titanen der Fintechs. Die Financial Times hat einen spannenden Überblick über die Wall-Street-Größen erstellt, die sich nun in Finanz-Start-ups an die „Disruption“ der Wall Street heranmachen (FT, Abo). Die Liste ist hochkarätig: Der ehemalige Citi-CEO Vikram Pandit ist ebenso auf die Fintech-Seite gewechselt wie Ex-Morgen-Stanley-CEO John Mack und JPMorgan-Bankerin Blythe Masters.

Neue Nachwehen der Frankenkredite. Die vom Basler Ausschuss für Bankenaufsicht vorgeschlagene zusätzliche Kapitalunterlegungspflicht für nicht abgesicherte Fremdwährungskredite dürfte die Bilanzen der österreichischen Großbanken nur teilweise belasten. Nur die Raiffeisen Bank International (RBI) verwendet teilweise noch den Standard-Ansatz, auf den sich der Vorschlag bezieht, hat ein Rundruf der APA ergeben. Der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht, der auch für die Ausarbeitung der Basel-III-Regeln zuständig ist, hat in einem jüngst veröffentlichten zweiten Konsultationspapier zum standardisierten Umgang mit Kreditrisiken vorgeschlagen, für nicht abgesicherte Fremdwährungskredite einen risikogewichteten Aufschlag von 50 Prozent zu berücksichtigen. Die Vorschläge des Ausschusses können bis März 2016 kommentiert und sollen bis Ende 2016 umgesetzt werden.

Free Lunch – Food for Thought

Eine orthodoxe Ökonomin für unorthodoxe Zeiten (Reuters).

Können Ökonomen politischen Extremismus prognostizieren? (Bruegel)

Die Energiepreise könnten für Anleihen wichtiger sein als die US-Zinsanhebung (CNBC).

Melden Sie sich hier für den täglichen Walkthrough an.