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Singapur

Banken die Leviten lesen: Vom Pranger bis zur Schließung

von Manfred Rist / 18.08.2016

In Zeiten, da in Singapur viel von Geldwäsche die Rede ist, drängt sich langsam die Frage auf, wieso eigentlich nur auf den „Lavomat“ eingedroschen wird. Die Drahtzieher des Betrugs nennt man nie.

Ausländischen Banken lesen die Singapurer gerne die Leviten. Der Finanzplatz soll sauber und die Reputation des Stadtstaats ohne Kratzer bleiben. Die BSI Bank ereilte im Zusammenhang mit dem 1MDB-Skandal deswegen der Schließungsbefehl. Die UBS, Standard Charter und DBS, das größte einheimische Institut, warten noch auf ihre Strafpredigten, doch dürfen die Rügen weniger drastisch ausfallen, weil deren Versäumnisse geringeren Ausmaßes waren.

Neuerdings macht aber auch die Falcon Private Bank unfreiwillig Schlagzeilen. Gemäß „Finanz und Wirtschaft“ darf sie in Singapur kein Neugeld mehr annehmen, was – falls es stimmt – sicherlich mit schon früher geäußerten Verstößen wegen Geldwäsche zusammenhängt. Bestätigen will dies niemand. Doch die Bank steht am Pranger und soll offenbar aus dem Geschäft gedrängt werden.

In diesen Zeiten, da auch in Singapur viel von Geldwäsche die Rede ist, drängt sich aber langsam die Frage auf, wieso eigentlich nur auf den „Lavomat“ eingedroschen wird. Die Drahtzieher dieses gigantischen Betrugs- und Geldwäschereiskandals nennt hierzulande nämlich niemand beim Namen – noch wurden sie im Rahmen der Ermittlungen vorgeladen. Sei es nun der Malaysier Jho Low, der Architekt des Netzwerks, bei dem Milliarden versickert sind, oder auch Riza Aziz, der Stiefsohn von Ministerpräsident Najib, der im Untersuchungsbericht der US-Justiz ebenfalls namentlich und unmissverständlich der Geldwäsche verdächtigt wird – über sie liest man hier nichts. Die Monetary Authority of Singapore (MAS) – Notenbank und Finma in einem – tut sich gar mit der Erwähnung von 1MDB schwer. Und Najib scheint in diesem Zusammenhang gar nicht zu existieren. Früher oder später – Falcon und BSI hin oder her – wird man aber auch hier nicht um die zentrale und wichtigere Frage herumkommen, wer denn hinter dem ganzen Schwindel steht.