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Falsche Anreize der EZB

Banken zahlen fette Dividenden trotz geringen Eigenkapitals

von Michael Rasch / 22.04.2016

Seit der Finanzkrise ist alles anders. Das gilt auch für das Zusammenspiel von Zentralbanken und Geschäftsbanken. Viele Notenbanken rechnen die Finanzstabilität nun zu ihren Kernaufgaben. Zudem ist die Bankenaufsicht inzwischen oft bei der Währungsbehörde angesiedelt, so etwa in der Eurozone bei der Europäischen Zentralbank (EZB). Darüber hinaus achten die „Währungshüter“ auf die Gesundheit des Finanzsektors, weil schwache Banken die Transmission ihrer Geldpolitik in die Realwirtschaft stören können.

Die Ausstattung der Banken mit Eigenkapital ist daher von großer Bedeutung. Laut dem Chefökonomen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) sinken die Fremdkapitalkosten der Banken, je höher das Eigenkapital ist – und umso mehr Kredite können die Banken vergeben. Letzteres wünscht sich die EZB.

Dividendenausschüttungen reduzieren jedoch das Eigenkapital der Institute. Laut der BIZ haben interessanterweise 90 führende Banken in der Euro-Zone seit 2007 insgesamt 196 Milliarden Euro an Dividenden ausgeschüttet. Wären diese Mittel einbehalten worden, wären die zurückgehaltenen Gewinne im Jahr 2014, nämlich insgesamt 261 Milliarden Euro, um 75 Prozent höher gewesen, als sie es tatsächlich waren.

Während deutsche und niederländische Banken 2014 viel mehr Gewinne einbehalten als sie an Dividenden seit 2007 ausgeschüttet haben, ist es bei Instituten in Spanien, Frankreich und Italien umgekehrt: Sie schütteten deutlich mehr Dividenden aus, als sie Gewinne einbehielten. Dabei gelten gerade Banken in Südeuropa und hier vor allem in Italien als schwach kapitalisiert, und sie leiden unter faulen Krediten. Es fragt sich somit, ob die EZB mit ihren günstigen Refinanzierungsoperationen für Banken (TLTRO II) die richtigen Anreize setzt, wenn viele Banken es sich noch immer gönnen, Aktionäre „übermäßig“ mit Dividenden zu versorgen.