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Monsanto-Kauf

Bayers heikle Partnerwahl

von Christiane Hanna Henkel / 14.09.2016

Bayers Zukauf bedeutet den vorläufigen Höhepunkt der Fusionswelle im Bereich Saatgut und Pflanzenschutz. Er wird von vielen Seiten kritisch beäugt, auch weil das Kaufobjekt Monsanto heisst.

Wettbewerbsrechtliche Bedenken wurden am Mittwoch anlässlich der Ankündigung des Kaufs von Monsanto durch Bayer schnell vom Tisch gewischt. Die Chefs – Werner Baumann von Bayer und Hugh Grant von Monsanto – erklärten übereinstimmend, dass die beiden Konzerne mehrheitlich in unterschiedlichen Märkten tätig seien. So sei Monsanto verwurzelt im Bereich Saatgut und Bayer im Bereich Pflanzenschutz. Und während die Amerikaner vor allem auf ihrem Heimmarkt und in Südamerika ihre Produkte verkauften, habe das deutsche Unternehmen Bayer sein Hauptgeschäft in Europa, den USA, Lateinamerika und Asien.

Doch die Ausgangslage ist wohl komplizierter, als es die beiden Unternehmen darstellen wollten. Darauf deutet allein schon das im Merger-Abkommen enthaltene „Schmerzensgeld“ hin: Kommt die Transaktion nämlich nicht zustande, etwa wegen wettbewerbsrechtlicher Einwände, erhält Monsanto von Bayer die stolze Summe von 2 Mrd. $. Und mit wettbewerbsrechtlichen Bedenken in den USA, in der EU und auch bei Landwirtschaftsgrössen wie Brasilien muss gerechnet werden. Im Pflanzenschutz- und Saatgutbereich ist die Konzentration in den letzten zwanzig Jahren nämlich rasant vorangeschritten.

Aus den ehemals Hunderten von Anbietern haben sich durch Aufkäufe und Zusammenschlüsse ein knappes Dutzend Grossfirmen wie Bayer, Monsanto, Dupont, Dow Chemical und Syngenta herausgebildet. Sie teilen heute den Markt für Saatgut und Pflanzenschutz weitgehend unter sich auf. Auf kleinere Anbieter entfällt je nach Schätzung noch ein geringer Marktanteil im tiefen zweistelligen Prozentbereich. Der Konzentrationsprozess hat sich in den letzten Monaten kräftig beschleunigt. So haben mittlerweile auch DuPont und Dow Chemical ein Zusammengehen angekündigt, und Syngenta wird im chinesischen Konzern Chem China aufgehen.

Das seit einigen Monaten bestehende Bestreben von Bayer, sich mit Monsanto zusammenzuschliessen, hat auch in der breiteren Bevölkerung die Diskussion darüber angeregt, wie der Deal den Markt für Saatgut und Pflanzenschutz und damit auch den Markt für landwirtschaftliche Produkte mit den Landwirten als Produzenten und den Bürgern als Konsumenten beeinflussen wird. Kritische Stimmen weisen darauf hin, dass ein Zusammenschluss etwa die Forschung und Entwicklung nicht unbedingt fördern muss, nur weil die Ressourcen nun gebündelt werden können; er kann auch zu einer Verminderung des Forschungswettbewerbs führen. Auf jeden Fall steht ausser Frage, dass die Herausforderung der Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung auch nach technologischem Fortschritt in der Landwirtschaft ruft.

Widerstand gegen die Fusionswelle regt sich auch in den landwirtschaftlichen Betrieben in den USA. Sie befürchten, dass ihre Nachfragemacht durch den Konzentrationsprozess beschnitten wird. Amerikas Farmer kämpfen bereits seit einigen Jahren mit dem Preiszerfall etwa bei Mais und anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen und entsprechend rückläufigen Einnahmen. Ihre Lobby in Washington ist nicht zu unterschätzen.

Das Kaufvorhaben von Bayer wird nicht zuletzt erschwert durch den schlechten Ruf, den Monsanto vor allem in Europa hat, der sich in Umweltschutzkreisen aber wohl durch die ganze Welt zieht. Als Vorreiter bei der Herstellung von gentechnisch verändertem Saatgut wird das Unternehmen oft mehr als Umwelt-Hasardeur denn als Innovator dargestellt. Besonders in Deutschland hat Monsanto mit diesem Makel zu kämpfen. Zum Teil aggressive Geschäftspraktiken haben dem Konzern zusätzlich geschadet. Das alles muss einem Merger nicht im Wege stehen, kann ihn aber erschweren, indem es das generelle politische Klima prägt. Auf jeden Fall wird es auf der Post-Merger-Pendenzenliste des Bayer-Managements stehen müssen, dass man die Reputation des neuen Konzerns aufpolieren muss.