Bei der Deutschen Bank bleibt kein Stein auf dem anderen

von Claudia Aebersold Szalay / 18.10.2015

Die Deutsche Bank soll weniger komplex und dafür besser kontrollierbar werden. Dafür wird auch viel von der alten Führungsriege ausgetauscht. Der neue Konzernchef, John Cryan, schafft sich damit eine gute Ausgangslage für seine neue Strategie, berichtet NZZ-Korrespondentin Claudia Aebersold Szalai aus Frankfurt.

Bei der Deutschen Bank bleibt kein Stein auf dem anderen. Knappe zwei Wochen bevor der neue starke Mann der Bank, der frühere UBS-Banker John Cryan, die neue Strategie der Bank bekanntgeben wird, hat der Aufsichtsrat der Bank am Sonntag den Weg dafür geebnet. Der Konzern wird komplett umgebaut, was auch bei der Führungsriege der größten Bank Deutschlands frappante Änderungen mit sich bringt.

Umbau im Investment Banking

Die größten Umwälzungen finden im Investment Banking statt. Der Bereich wird in zwei Segmente eingeteilt. Die erste neue Sparte („Corporate & Investment Banking“) umfasst die Unternehmensfinanzierung sowie die Transaktionsbank. Letztere bietet Unternehmen und Banken Produkte und Dienstleistungen an und hat bisher als eigenständige Einheit stets sehr solide Resultate ausgewiesen. Manch ein Kritiker wird in der Fusion mit dem Corporate Banking einen Versuch sehen, die guten Ergebnisse dieser Einheit auf das Investment Banking abfärben zu lassen. Das zweite Segment („Global Markets“) wird die Handelsaktivitäten (Festverzinsliche, Aktien und Derivate) umfassen.

Auch bei der Vermögensverwaltung kommt es zu grundlegenden Veränderungen. Die Betreuung wohlhabender Privatkunden wird neu aus der Privat- und Geschäftskundenbank heraus organisiert, während sich die Deutsche Asset Management ausschließlich auf institutionelle Kunden sowie auf das Fondsgeschäft konzentrieren wird.

Die alte Crew verlässt die Bank

Der veränderte Konzernaufbau spiegelt sich auch in der Führungsstruktur der Bank, was zur Folge hat, dass die erweiterte Geschäftsleitung (Group Executive Committee) gänzlich aufgelöst wird, während der eigentliche Vorstand auf zehn Mitglieder vergrößert wird. Langjährige Topmanager der Bank, die als Weggefährten des früheren Co-CEO Anshu Jains gelten oder gar noch in der Ära Josef Ackermanns Karriere in der Deutschen Bank gemacht haben, werden das Unternehmen verlassen.

So etwa Colin Fan, der zuletzt die Investmentbank mitgeleitet hat, oder Michele Faissola, der bisherige Chef von Asset & Wealth Management. Der langjährige Finanzvorstand der Bank, Stefan Krause, wird das Haus ebenso verlassen wie der zuletzt für Personal, Regulierung und den Kampf gegen die Finanzkriminalität verantwortliche Stephan Leithner, beides Urgesteine der Bank.

Die neuen Chefs der beiden frisch aufgestellten Investment-Banking-Sparten sind Jeff Urwin, der zusammen mit Fan auch bisher das Investment Banking geleitet hat, sowie Garth Ritchie. Ersterer wird die Unternehmenskunden- und Investmentbank leiten, Letzterer den neuen Bereich „Globale Märkte“. Neuer Chef der Deutsche Asset Management wird Quintin Price, er kommt vom Vermögensverwalter Blackrock. Keine Veränderung gibt es an der Spitze der Privat- und Geschäftskundenbank. Hier wird weiterhin Christian Sewing das Sagen haben, neu wird er auch für die wohlhabenden Privatkunden verantwortlich sein.

Die bisherigen Aufgaben von Krause und Leithner übernehmen Sylvie Matherat (Regulierung, Compliance und Kampf gegen Finanzkriminalität) und Karl von Rohr (Corporate Governance und Personal).

Schlanker und kontrollierbar

Als gutes Zeichen für die strategischen Weichenstellungen der Bank muss wohl die Tatsache gewertet werden, dass CEO Cryan höchstpersönlich die interne Bad Bank verantworten wird – dies dürfte bedeuten, dass die Aktivitäten, die nicht mehr zu den Kernaktivitäten der Bank gehören, schneller abgebaut werden sollen. Er selbst sagte in einer schriftlichen Stellungnahme, die Neuerungen zielten darauf ab, die Bank kosteneffizienter und besser kontrollierbar zu machen. Die Komplexität soll mit den jüngsten Maßnahmen sowohl in der Struktur der Bank als auch im Management verringert werden. Mit Spannung wird nun die neue Strategie erwartet, die Cryan am 29. Oktober vorstellen wird.