Ben Bernanke bloggt

von Lukas Sustala / 30.03.2015

Ben Bernanke geht unter die Blogger. In einem ersten Eintrag weist er auf andere Gründe als die eigene Politik für die rekordniedrigen Zinsen.

Der ehemalige oberste US-Notenbanker, (haupt)verantwortlich für die weltweite Geldflut zur Erstickung der Großen Rezession, ist unter die Blogger gegangen. Auf der Homepage der Denkfabrik Brookings schreibt Bernanke: „Now that I’m a civilian again, I can once more comment on economic and financial issues without my words being put under the microscope by Fed watchers. I look forward to doing that—periodically, when the spirit moves me—in this blog.“

Bernanke hat auch gleich einen inhaltlichen Eintrag nachgeschoben. Er stellt dabei eine höchst aktuelle, relevante Frage: Warum sind die Zinsen so niedrig? Bernankes Antwort:

The state of the economy, not the Fed, is the ultimate determinant of the sustainable level of real returns. This helps explain why real interest rates are low throughout the industrialized world, not just in the United States.

Die Quintessenz ist einfach zusammengefasst: It wasn’t me. Auf Österreichisch wohl: „I sog’s glei, I wor’s ned.“ Denn dass die Zinsen heutzutage derart niedrig sind, habe weniger mit der US-Geldpolitik zu tun, als damit, dass es der Wirtschaft insgesamt so schlecht gehe und Sparvermögen kaum investiert werden.

Bernanke weist zwar auf einen wichtigen Punkt hin: Die Geldpolitiker sind nicht allmächtig im Festsetzen von Zinsen. Sie sind für die kurzfristigen Zinsen für die Geschäftsbanken verantwortlich. Die langfristigen Zinssätze, wichtig für jedes Unternehmen und jeden Häuslbauer, werden aber nicht direkt in Washington oder Frankfurt gesetzt.

Allein, mehr als fünf Jahre ZIRP (Zero-interest rate policy, Nullzinspolitik) haben auch in der Realwirtschaft ihre Spuren hinterlassen. Bernanke ist daher wohl kurzsichtig, wenn er die „verwirrte Kritik“ zurückweist, dass die Fed die Finanzmärkte mit ihrer Politik verzerre. Er sollte vor seinem nächsten Blogeintrag die jüngste Analyse der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, der Zentralbank der Zentralbanken, lesen. Sie kritisiert die Niedrigzinspolitik und die milliardenschwere Anleihenkaufprogramme durchaus als fehlgeleitet und schlecht begründet. Die kritisierte Verzerrung der Finanzmärkte könnte sich heute eben an den neuen Aktienrekorden und negativen Anleihenzinsen ablesen lassen.

Tatsächlich dürfte gerade die expansive Geldpolitik der Fed in Bernankes Amtszeit immer noch nachwirken und gerade die Anleihen- und Immobilienmärkte in den USA beflügeln:

Die Amtszeit Bernankes in einem Chart
Die Amtszeit Bernankes in einem Chart

In jedem Fall wird Bernanke auf seinem Blog in den kommenden Monaten viel zu streiten haben, wenn die US-Notenbank erstmals die Zinsen in den USA anheben dürfte.