Gabriel zur Deutschen Bank

Billiges Banken-Bashing

von Christoph Eisenring / 03.10.2016

Was ist die Rolle der Regierung in einer Krise, wie sie die Deutsche Bank durchläuft? Ruhe bewahren, nicht dramatisieren. Doch Vizekanzler Gabriel polemisiert und schüttet Häme über der Bank aus.

Während Berlin und Frankfurt bemüht sind, die Situation um die Deutsche Bank zu beruhigen, giesst Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel noch Öl ins Feuer. Auf dem Flug nach Teheran erklärte er den Journalisten, er wisse nicht, ob er darüber lachen oder weinen solle, dass eine Bank, die das Spekulantentum zum Geschäftsmodell gemacht habe, sich jetzt zum Opfer erkläre. Damit spielte er auf einen Brief von Bankchef John Cryan an seine Mitarbeiter an. Darin schreibt Cryan, dass einige Kräfte unterwegs seien, die das Vertrauen in die Deutsche Bank schwächen wollten. Damit meinte er wohl Investoren, die auf sinkende Kurse der Bank wetten und entsprechende Gerüchte placieren.

In dem Brief verlangt Cryan im Übrigen nirgends, dass man gegen diese «Leerverkäufer» vorgeht. Vielmehr spricht er seinen verunsicherten 100 000 Mitarbeitern Mut zu. Was sollte eine Regierung und besonders ein Wirtschaftsminister in solchen Zeiten tun? Sie sollte die Lage sicher nicht zusätzlich dramatisieren, sondern Ruhe bewahren und ausstrahlen. Gabriel indessen sagt, Tausende Menschen würden ihre Arbeit verlieren. Sie trügen die Verantwortung für den Wahnsinn, der betrieben wurde von verantwortungslosen Managern.

Die Häme, die Gabriel nun über die Deutsche Bank ausschüttet, zeugt nicht nur von schlechtem politischen Stil. Zum wiederholten Mal zeigt sich, dass er für das Amt eine Fehlbesetzung ist. Gabriel ist immer mehr Wahlkämpfer – in einem Jahr sind Bundestagswahlen – und immer weniger Wirtschaftsminister. So erklärt er seit einigen Wochen die transatlantischen Verhandlungen über ein Freihandels- und Investitionsabkommen für gescheitert, deren Abschluss für Deutschland so vital wäre.

Dazu kommt, dass der Abbau von Stellen kein Phänomen der Deutschen Bank ist. Der Bankensektor war vor der Finanzkrise wohl zu gross geworden und schrumpft nun auf vernünftige Dimensionen. Dies geschieht im Übrigen noch in einem weit stärkeren Mass bei der zweitgrössten deutschen Bank, der Commerzbank. Bei der «gelben Bank» wird jede fünfte Stelle gestrichen. Bei dieser Bank ist der deutsche Staat seit acht Jahren grösster Aktionär und trotzdem kommt sie um eine Rosskur nicht herum. Dies sollte auch einen Gabriel etwas Demut lehren.

Die Deutsche Bank ist ohne Staatshilfe durch die Finanzkrise gekommen, so wie die Schweizer Credit Suisse auch. Er würde sich schämen, Staatshilfe anzunehmen, hatte 2008 der damalige Chef, Josef Ackermann gesagt. In den letzten zwei Wochen wurde dieser Satz noch und noch repetiert. Fast gewinnt man den Eindruck, dass die Schadenfreude in Deutschland gross wäre, wenn dies nun doch noch passierte – mit dem Wirtschaftsminister an der Spitze.