David Williams / Bloomberg

Aktienrückkäufe

Blind investieren geht nicht mehr

von Werner Grundlehner / 16.08.2016

Bis vor kurzem konnte man Aktien von Unternehmen, die viele eigene Titel zurückkaufen, ohne Sorgen erwerben. Aber dem ist nicht mehr so – die Tugenden des Investors sind wieder gefragt.

Einem Unternehmen, das eigene Aktien zurückkauft, wird oft Einfallslosigkeit vorgeworfen. Angesichts der hohen Cash-Bestände, auf denen die Firmen im Moment sitzen, kann der Erwerb eigener Aktien aber durchaus sinnvoll sein. Einerseits gibt das Management damit ein kraftvolles Bekenntnis zur eigenen finanziellen Stabilität ab. Anderseits wird mit der Transaktion die Zahl der umlaufenden Titel verknappt, dadurch wird der Gewinn je Aktie verdichtet. Oft steht die Unternehmensführung auch im Verdacht, über Rückkäufe den Wert der eigenen Aktienpakete in die Höhe zu treiben, anstatt die Gewinne für Investitionen zu verwenden. In den USA kam es bereits zu politischen Vorstössen – die Finanzmarktaufsichtsbehörde SEC soll verpflichtet werden, Aktienrückkäufe zu limitieren.

Der Trend zu Aktienrückkäufen ist gemäss UBS ungebrochen. Wenn man die Zahlen zum ersten Quartal 2016 in den USA extrapoliert, kommt man auf einen Rekordwert von weit über 600 Mrd. $. Dieser würde denjenigen aus dem Jahr 2007 klar übertreffen. Damit ist das erste Problem angesprochen: Hohe Aktienrückkäufe wie in den Jahren 1999 und 2007 sind ein Indikator für eine anstehende Börsenkorrektur. Die UBS zeigt in ihrer Studie aber auch, dass Rückkäufe bei einzelnen Unternehmen für Investoren kein Indikator für steigende Kurse mehr sein müssen – und das bereits seit Anfang 2015. Ab diesem Zeitpunkt sinkt der S&P-Buyback-Index in Relation zum S&P-500-Index. Die Schweizer Grossbank schreibt dazu, dass sie nicht davon ausgehe, dass der „Aktienmarkt in den letzten Atemzügen liegt“. Aber schlicht auf die Titel mit den höchsten Aktienrückkäufen zu setzen, sei im Gegensatz zum Jahresbeginn 2015 keine Alternative mehr. Der Anleger müsse in der Auswahl auf Qualität und Bewertung achten – ein Vorgehen, das immer zu beherzigen ist, egal, wie attraktiv einzelne Aspekte einer Aktie aussehen.