Blinde Notenbanker und rebellische Volksbanker

von Lukas Sustala / 15.05.2015

EZB-Chef Draghi sieht auch die Risiken der machtvollen Geldflut. Wien besteht auf ein Krisentreffen für die heimischen Volksbanken. Und die effektive Abschaffung des Bankgeheimnisses durchlöchert die Privatsphäre des Bürgers. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Bankgeheimnis, gelüftet. Für Kollege Georg Renner geht das jüngst verkündete Ende des Bankgeheimnisses für Private deutlich zu weit:

Man muss nicht paranoid sein, um die Missbrauchsmöglichkeiten zu sehen: Ein „Verdacht“ gegen jemanden ist schnell einmal konstruiert, notfalls etwa durch eine anonyme Anzeige beim Finanzamt – und plötzlich dürfen Beamte ohne Rechtsschutz dessen Privatsphäre durchwühlen, sehen, welche Ärzte er besucht, wem er Alimente überweist oder welcher Partei er per Dauerauftrag Spenden zukommen lässt. Sind das Informationen, die einfach so, ohne unabhängige Prüfung, zugänglich sein sollten?

Krisentreffen zu Volksbanken. Als gäbe es rund um die Kärntner Finanzmisere und die Hypo-Abbaueinheit Heta nicht schon genug Krisentreffen, hat Finanzminister Hans Jörg Schelling für kommenden Montag die Volksbank-Rebellen nach Wien geladen (OÖN). Drei Volksbanken (Almtal, Gmünd, Osttirol-Westkärnten) lehnen die geplante Fusion im Sektor (aus 41 regionalen Instituten sollen acht werden) ab. Die Fusion ist aber ein wesentlicher Baustein für die Umstrukturierung des Sektors nach der Misere um das ehemalige Spitzeninstitut ÖVAG.

Draghi, der Einäugige? Mario Draghi hat in einer Rede vor dem Internationalen Währungsfonds in Washington über die jüngst verkündete Geldflut gesprochen (EZB). In seinem klarerweise höchst positiven Fazit über die ersten Monate der 1.140-Milliarden-Euro-Geldflut, die er als „potentes“ Instrument bezeichnet, geht Draghi aber auch auf die Risiken ein und warnt die Zentralbanken davor „blind“ zu sein gegen die möglichen Kollateralschäden ihrer Politik, etwa die gestiegene Ungleichheit.

Der Osten, vor und hinter dem Maidan. Die Ukraine-Krise reißt einen tiefen Graben in die Volkswirtschaften im Osten. Die Ukraine und Russland sind wirtschaftlich in einem recht dramatischen Abwärtsstrudel gefangen, während sich in Ländern wie Polen die Wirtschaft wieder recht dynamisch entwickeln (NZZ.at).

Osteuropas Ausblick, höchst unterschiedlich
Osteuropas Ausblick, höchst unterschiedlich

Schadenfreude, saudische Art. Saudi-Arabien feiert den drastischen Fall des Ölpreises, könnte man meinen, wenn man aktuelle Kommentare aus Riad liest (FT, Paywall). In Saudi-Arabien ist man offensichtlich davon überzeugt, dass die dramatisch gesunkenen Ölpreise den besonders teuren Anbieter von Schieferöl in den USA den Garaus machen werden. Tatsächlich ist die Förderung von Schieferöl zuletzt leicht zurückgegangen (IEA), doch die saudische Schadenfreude ist noch verfrüht.

Freihandel, mal zwei. Kanadas Botschafter ist verblüfft, dass ein Land, das so vom internationalen Handel profitiert, zum größten Gegner von Freihandelsabkommen geworden ist (Die Presse). In den USA zeichnet sich im Senat nun doch die erforderliche Mehrheit ab, bei einer erneuten Abstimmung kommende Woche, den US-Präsidenten mit der „Fast-Track Authority“ in Handelsfragen auszustatten (WSJ). Es wäre eine wichtige inner-amerikanische Hürde für die Freihandelsabkommen TTIP mit der EU und TPP mit asiatischen Partnern, die damit genommen würde.

Dollar, demoliert. Dass die jüngsten US-Konjunkturdaten, insbesondere jene zum BIP-Wachstum, um einiges schwächer waren als erwartet, hat auch auf dem Devisenmarkt einen ziemlichen Eindruck hinterlassen. Der US-Dollar hat im vergangenen Jahr innerhalb kurzer Zeit drastisch aufgewertet, um 25 Prozent gegen die wichtigsten Handelspartner (gemessen am US-Dollar-Index). Seit März ging es nun wieder um sieben Prozent hinunter, was Dollar-Bullen ratlos zurück lässt (Bloomberg):

Der Dollar taucht nach dem Höhenflug wieder ab
Der Dollar taucht nach dem Höhenflug wieder ab