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Nach Ölpreisverfall

BP verschlankt sich für magere Zeiten

von Gerald Hosp / 27.10.2015

Um die Aktionäre bei Laune zu halten, will der britische Erdölkonzern BP weiterhin Kosten kürzen, Investitionen verringern und Unternehmensteile abstoßen. So will der Konzern den fallenden Ölpreis verkraften, berichtet NZZ-Wirtschaftskorrespondent Gerald Hosp.

Der britische Erdölkonzern BP will weiterhin Kosten kürzen, Investitionen verringern und Unternehmensteile abstoßen, um sich für längere Zeit auf ein Umfeld mit niedrigen Erdölpreisen einzustellen. Das Unternehmen, das als erstes von den großen europäischen und amerikanischen Konzernen die Ergebnisse für das dritte Quartal berichtet, möchte die Kostenstruktur bis zum Jahr 2017 derart verbessern, dass ein Erdölpreis von 60 Dollar je Fass ausreicht, um die Dividende unverändert auszubezahlen, ohne dafür Schulden machen zu müssen. Derzeit liegt der Preis für die Nordsee-Erdölsorte Brent bei gut 47 Dollar je Fass.

Mit der Ankündigung signalisiert Konzernchef Bob Dudley den Aktionären, dass die Dividende nicht in Gefahr sei, auch wenn mit niedrigen Energiepreisen auf absehbare Zeit gerechnet werde. Die Ergebnisse für das dritte Quartal zeigen dabei sowohl die Probleme als auch die Anstrengungen in der Erdöl- und Erdgasbranche auf. Der ausgewiesene Reingewinn von 46 Millionen Dollar fällt im Vergleich mit dem Gewinn im Vorjahresquartal von 1,3 Milliarden Dollar äußerst mager aus.

Es ist aber zumindest kein Milliardenverlust wie im zweiten Quartal, der durch Abschreibungen im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko vor fünf Jahren zustande gekommen war. Auch der bereinigte Gewinn zu Ersatzbeschaffungskosten, bei dem Einmaleffekte und die Veränderung des Lagerbestandes berücksichtigt werden, musste mit einem Minus von 40 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode auf 1,8 Milliarden Dollar Federn lassen. Das Resultat lag aber über den Erwartungen der meisten Analysten, was zu Handelsbeginn zu einer Erhöhung des Aktienkurses von bis zu 1,8 Prozent führte. Zuletzt notierte die BP-Aktie aber in einem schwachen Handel leicht im Minus.

Als robust erwiesen sich das Raffinerie- und das Handelsgeschäft, das im dritten Quartal einen bereinigten Gewinn vor Steuern und Zinsen von 2,3 Milliarden Dollar aufwies – eine Steigerung von 36 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Damit kann BP zum Teil den Niedergang im Fördergeschäft auffangen. Zudem legten die Erträge aus der Beteiligung an der russischen, staatlich kontrollierten Erdölgesellschaft Rosneft zu. BP hält knapp 20 Prozent an Rosneft.

BP plant mehrere Maßnahmen, um sich für die nächste Zeit zu rüsten: Bis 2017 sollen die Kosten vom Stand 2014 um sechs Milliarden Dollar gesenkt werden. In den nächsten zwei Jahren werden die Investitionen rund 17 bis 19 Milliarden Dollar pro Jahr betragen. Zuvor war noch mit jährlichen Ausgaben von 24 bis 26 Milliarden Dollar gerechnet worden. Für 2015 geht BP von Investitionen von 19 Milliarden Dollar aus. Verschiebungen von Projekten, bessere Planungen und günstigere Verträge mit Zulieferern tragen zu den geringeren Investitionskosten bei. Zudem will der britische Konzern im kommenden Jahr Beteiligungen im Wert von drei bis fünf Milliarden Dollar abstoßen, um die Bilanz zu stärken.