Kevin Lamarque / Reuters

Brexit – kein Grund für einen Kurswechsel der US-Notenbank

von Thomas Fuster / 05.07.2016

Aufgrund des Brexit-Votums rechnen die Märkte mit noch mehr Support durch die Notenbanken. In den USA gibt es für zusätzliche Unterstützung aber keinerlei Gründe.

Man beginnt sich schon daran zu gewöhnen: Seitdem ultratiefe Zinsen zur geldpolitischen Normalität gehören, gehen schlechte Nachrichten oft mit Kursgewinnen einher. Dies deshalb, weil jede wirtschaftliche Eintrübung die Chance erhöht, dass die Geldpolitik noch stärker gelockert wird und allfällige Pläne für Zinserhöhungen in die Zukunft verschoben werden. Auch nach der Brexit-Abstimmung folgten die Märkte diesem Drehbuch. Nach einem jähen Absturz erholten sich die Kurse schon bald – in der Hoffnung auf eine nun noch stärkere Unterstützung durch die Notenbanken.

In den USA, wo im Dezember zaghaft eine Zinswende eingeläutet wurde, gibt es gar Stimmen, die in naher Zukunft eine Zinssenkung für wahrscheinlicher halten als eine Zinserhöhung. Doch taugt der Brexit als Grund, um die geldpolitische Normalisierung in den USA abzubrechen? Aus makroökonomischer Sicht wohl kaum: So fliessen nur 4% der amerikanischen Exporte nach Grossbritannien; das sind 0,5% des Bruttoinlandprodukts (BIP). Selbst wenn die britische Wirtschaft um 5% einbrechen sollte, würden sich die Auswirkungen auf die USA laut Berechnungen von Capital Economics auf minime 0,03% des BIP beschränken.

Auch bei den finanziellen Konditionen ist in den USA aufgrund des Brexit keine Straffung erkennbar, die eine Schubumkehr rechtfertigen würde. Zwar hat der Dollar gegenüber dem Pfund zugelegt. Handelsgewichtet liegt der Kurs aber noch immer deutlich unter jenem Niveau, das im ersten Quartal des Jahres registriert wurde. Kommt hinzu, dass die Börsenkurse knapp unter einem Allzeithoch notieren, die Kerninflation seit sechs Monaten über dem Ziel von 2% oszilliert und die meisten Konjunkturindikatoren den Schluss nahelegen, dass die US-Wirtschaft im zweiten Quartal stark an Schwung gewonnen hat. Ein geldpolitischer Kurswechsel lässt sich in diesem Umfeld nur schwer begründen – Markthoffnungen hin oder her.