Britische Bullen und Bären auf den Bondmärkten

von Lukas Sustala / 08.05.2015

Die britischen Konservativen gewinnen, und die britischen Märkte machen mit. Welche Gründe hinter dem jüngsten Anleihencrash stehen und die chinesische Mauer des Wirtschaftswachstums. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Tories siegen, Märkte steigen. Die britischen Konservativen stehen vor einem Wahlerfolg, der deutlicher ausfällt als vorhergesehen (NZZ.at). Die Reaktion an den derzeit handelnden Finanzmärkten war recht eindeutig, das britische Pfund und der britische Aktienindex FTSE 100 haben ordentlich zugelegt (FT). Angesichts des klaren Wahlauftrags freuen sich Investoren offenbar darüber, dass es kein „hung parliament“ geben wird. Allerdings könnte die Freude in anderer Hinsicht trügerisch sein. Wenn Premierminister David Cameron alleine regiert, wird er wohl kaum um ein EU-Referendum herumkommen und ein Brexit, ein Austritt aus der EU, ist angesichts der öffentlichen Stimmung in Großbritannien dann durchaus wahrscheinlich (NZZ.at).

Anleihen-Crash, auch in Austria. An kaum einer Anleihe kann man den jüngsten Crash so gut ablesen wie an der 2062 auslaufenden Staatsanleihe Österreichs. Sie ist in vielerlei Hinsicht ein wahres Ungetüm, hat eine sehr lange Laufzeit und notierte zu Spitzenzeiten bei 220, bei einem Emissionswert von 100. Sie war damit die teuerste Anleihe auf dem europäischen Staatsanleihenmarkt und sie hat in den vergangenen drei Handelswochen zeitweise mehr als 20 Prozent ihres Wertes verloren (NZZ.at).

Was steht hinter dem Bärenmarkt bei Bonds? Die Financial Times titelt auf ihrer ersten Seite „Investors caught off guard by worst eurozone bond turmoil since crisis“. Das mag vielleicht stimmen, wenn man sich quantitativ etwa den Anstieg von Renditen ansieht, oder die Volatilität (FT, Paywall). Aber der Grund ist doch ein völlig anderer als 2011, als der mögliche Zerfall der Eurozone Investoren aufgeschreckt hat. Selbst britische Fondsmanager, sonst selten um eine Einschätzung verlegen, wissen nicht, warum der Crash passierte. Anleihenspezialist Michael Riddell, von der Fondsgesellschaft M&G, sagt der FT: „It is difficult to understand exactly what is driving this“.

Warren Buffett, wirklich beeindruckend. Berkshire Hathaway hat in den vergangenen 50 Jahren den amerikanischen Traum so sehr symbolisiert wie kaum ein anderes Unternehmen. Über die Erfolgsfaktoren und die Eigenheiten von Warren Buffett (NZZ.at).

Hausdurchsuchung, auch in der RBI. Steuerliche Probleme und beachtliche Investments machen dem ehemaligen Raiffeisen-Bank-International-Chef Herbert Stepic zu schaffen. Ermittler filzten sein Haus und sein Büro in der RBI, für die er immer noch als Berater tätig ist (derstandard.at).

Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten, Griechenland-Edition. Wenn eine Zeitung sich die Zeit nimmt, um eine interaktive Datenbank über die bevorstehenden Schuldenzahlungen eines Landes zu bauen, ist wohl Feuer am Dach (FT). Aber für die Interessierten ist der Greek Debt Monitor spannend.

Ökonomische Debatte, YouTube-Edition. Wenn Ökonomen rappen (SZ.de).

Cash, nicht mehr fesch. Wird das Bargeld abgeschafft? (Roland Tichy)

US-Studentenkredite, das neue Subprime? Studentenkredite zerstören den amerikanischen Traum, befürchtet Gillian Tett und vergleicht es mit der Subprime-Blase vor 2008 (FT, Paywall). Sie warnt, dass die extrem gestiegenen Student Loans die nächste Blase sein könnten, die die zuletzt schwache US-Konjunktur verwunden könnte.

Chinesische Mauer? Der chinesische Staatskapitalismus stößt an seine Grenzen (Zeit.de).