Andy Rain / Keystone

Britische Wirtschaft nach dem Brexit-Entscheid: Das widerspenstige Soufflé

von Gerald Hosp / 19.08.2016

Der Brexit-Entscheid ist noch nicht lange her, und die Wirtschaftszahlen sind noch nicht sehr aussagekräftig. Die Politik ist aber in Krisenmodus, obwohl die jüngsten Daten ein gemischtes Bild zeigen.

Die britische Wirtschaft ist derzeit wie ein Soufflé, das zwar angestochen wurde, sich aber weigert zusammenzufallen. „Weiche“, auf Umfragen beruhende Daten zeichneten zunächst ein düsteres Bild für die Zeit nach der Brexit-Entscheidung vom 23. Juni. Diese Woche nun trudelten die ersten offiziellen Zahlen ein, und diese zeigten ein durchzogenes Bild: Die Inflation ist im Juli leicht gestiegen, sie liegt aber immer noch auf einem niedrigen Niveau. Die Beschaffungskosten für Firmen machten jedoch einen Sprung nach oben. Erste Indikatoren verweisen auf einen noch robusten Arbeitsmarkt. Und die Einzelhandelsumsätze zeigen auch für den Juli noch eine ungebremste Konsumfreude. Unter Ökonomen herrscht aber die Meinung vor, dass sich die britische Wirtschaft in den kommenden Monaten erheblich abkühlen wird. Als Grund wird vor allem die Unsicherheit über die künftige Beziehung Grossbritanniens zur EU genannt. Am deutlichsten hat sich dies bereits in der Talfahrt des Pfunds gezeigt. Eine höhere Inflation und ein schwächerer Arbeitsmarkt dürften zu Einbussen bei den Realeinkommen führen, was die Binnennachfrage schwächt.

Allein die bisherigen Wirtschaftsdaten lassen diesen Schluss aber noch nicht zu. Die Zentralbank hat aber schon alle Register gezogen, um ein Abgleiten in eine Rezession zu verhindern. Die Stimmen, die ein Stimulierungspaket der Regierung verlangen, werden immer lauter. Voraussichtlich wird aber, wie auch sonst üblich, erst im Spätherbst ein neuer Staatshaushalt vorgestellt. Es wird damit gerechnet, dass sich London höher verschulden wird. Damit besteht auch die Gefahr, dass eine lockere Geld- und Fiskalpolitik, die kurzfristig helfen soll, die britische Wirtschaft langfristig im Krisenmodus halten wird. Die Aufgabe der Politik wäre es, die elementare Unsicherheit zu reduzieren. London muss deshalb schnell klarwerden, was für einen EU-Austritt es will.