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Länder-Rating

Budapest zurück im Klub der Kreditwürdigen

von Matthias Benz / 23.05.2016

Lange musste die Regierung Orbán warten. Zum Wochenende hin kam dann aber die erlösende Nachricht: Fitch hat als erste Rating-Agentur dem ungarischen Staat wieder die Einstufung „Investment Grade“ verliehen.

Im Jahr 2011 hatte man die Bewertung als Schuldner guter Bonität verloren. Von den Vorgängerregierungen heruntergewirtschaftet und von der Finanzkrise hart getroffen, hatte Ungarn wegen Orbáns umstrittener Politik auch noch die Unterstützung internationaler Kreditgeber verloren.

Die Hochstufung ist vor allem von großer symbolischer Bedeutung. Sie kommt dem Eingeständnis gleich, dass Orbáns „unorthodoxe Wirtschaftspolitik“ doch auch Erfolge gezeitigt hat. Budapest gelang es in den vergangenen Jahren, den Staatshaushalt wieder ins Lot zu bringen, die Verschuldungsquote zu senken und das Land makroökonomisch zu stabilisieren. Dennoch bleibt das Vorgehen umstritten. So gelang die Haushaltssanierung auch dank Sondersteuern für ausländische Konzerne, was Auslandsinvestoren verschreckte. Nun erntet Orbán immerhin den Erfolg, wieder in den Klub der Länder mit guter Bonität aufgenommen zu werden.

Ahnungsvolle Anleger

Auf die Finanzmärkte dürfte sich die Hochstufung kaum auswirken. Laut Analysten in Budapest gilt der Schritt als überfällig, er ist also wohl in den Kursen am Devisen-, Anleihen- und Aktienmarkt weitgehend berücksichtigt. Besonders der Aktienmarkt in Ungarn blickt auf eine Periode starker Kursavancen zurück. Während weltweit die Minuszeichen dominieren, hat der Budapester Leitindex BUX seit Jahresanfang um rund acht Prozent zugelegt. Und schon 2015 war ein ausgesprochen starkes Jahr gewesen. Das sorgte international für Aufsehen – und bei den Analysten für einige Verwunderung.

Laut den Experten gibt es für die gute Entwicklung nicht die eine Erklärung, hinter ihr stehen wohl verschiedene Sonderfaktoren. Im Frühling 2015 kehrten offenbar ausländische Investoren nach langem Abseitsstehen wieder an den ungarischen Aktienmarkt zurück. Es herrschte schon damals die Erwartung, dass Ungarn das „Investment Grade“ zurückerhalten würde.

Nur bei zwei von vier Titeln, die den BUX im Wesentlichen ausmachen, gab es auch Neuigkeiten. Dem Pharmakonzern Richter wurde ein Medikament zugelassen, die Magyar Telekom versprach eine Dividende.

Im laufenden Jahr liegen die Dinge klarer. Die gute Indexentwicklung ist vor allem auf den gewichtigsten Titel im BUX zurückzuführen, die Bank OTP. Das größte ungarische Finanzinstitut wird seit langem von Sándor Csányi geführt, der als reichster Mann im Land gilt. Im März hat ein Singapurer Fonds, der Csányi zugerechnet wird, ein größeres Paket an OTP-Aktien gekauft. Die Aktion des Insiders fand Nachahmer. Die jüngsten BUX-Avancen sind daher vor allem ein OTP-Effekt.