China erwägt weitere Zinssenkung

von Lukas Sustala / 24.11.2014

(Reuters) Die chinesische Führung ist aus Furcht vor Deflation nach Angaben von Insidern zu weiteren Zinssenkungen und einer Ankurbelung der Kreditvergabe bereit. Notenbank und Regierung wollten verhindern, dass fallende Preise zu Kreditausfällen, Firmenpleiten und Arbeitsplatzverlusten führten, berichteten der Nachrichtenagentur Reuters Personen, die an den politischen Entscheidungen beteiligt sind. Angesichts der lahmenden Konjunktur hatte Chinas Notenbank am Freitag überraschend erstmals seit mehr als zwei Jahren den Leitzins gesenkt und damit Kursgewinne an den weltweiten Aktienmärkten ausgelöst.

Die Führungsriege habe ihre Meinung geändert, erklärte ein ranghoher Ökonom, der bei einem staatlichen Institut beschäftigt ist und an Beratungen über die Geldpolitik teilnimmt. Die Notenbank habe ihren Fokus auf eine breit angelegte Stimulierung der Wirtschaft verlagert. Sie sei deshalb nicht nur für weitere Zinssenkungen offen, sondern auch für eine Reduzierung der Mindestreserve-Anforderung, die faktisch die Kreditvergabe der Banken deckelt. Da China einen Zinssenkungs-Zyklus begonnen habe, sollten weitere Zinssenkungen in der Pipeline sein, und eine Kappung der Mindestreserve sei ebenfalls wahrscheinlich.

Die Notenbank verbilligte den Leitzins am Freitag von 6% auf 5,6%. Zugleich räumte sie Banken mehr Freiheit bei der Gestaltung von Zinsen auf Kundeneinlagen ein. Sie hatte jedoch zugleich signalisiert, keinen aggressiven Kurs einzuschlagen: Das Wirtschaftswachstum sei noch «leidlich», so dass die Währungshüter «mit Bedacht» vorgehen könnten. Die Konjunktur in der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt hat zuletzt an Fahrt verloren. Im Sommer legte sie mit einem Plus von 7,3% so langsam zu wie seit 2009 nicht mehr.